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Das Interview mit Jean Renard – dem „Korsen“, der mit biblischer Wucht seine Stories entwickelt

Apr 4, 16 • Autoren Im FokusNo CommentsRead More »
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Was als Urlaubsliebe zur „Insel der Schönheit“ beginnt gipfelt in einem Krimi, der es in sich hat. Voller Lebensfreude werden Land und Leute eingefangen und zu einem wunderbaren Erlebnis kombiniert. Das ist der eine Teil des Plots – der andere ist ein spannender Krimi.der-kopf-des-korsen_jean-renard

Über das Buch „Der Kopf des Korsen“

Die Polizisten Andreotti und Lefevre haben nicht viel gemeinsam. Nur das Kopfgeld, das der Pate von Paris auf sie ausgesetzt hat, und die Versetzung nach Korsika, die ihren Hals retten soll. Auf der ‚Insel der Schönheit‘ wartet jedoch bereits die nächste Blutrache. Schon bald stehen die ungleichen Sonderermittler im Kreuzfeuer zweier verfeindeter Clans. Doch hinter den bizarren Morden dieser Vendetta steckt mehr, als es den Anschein hat – und ein Trio Psychopathen ist bereits unterwegs, um sich das Kopfgeld zu verdienen.

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Das Interview mit Jean Renard

Foto: Michael Detter

Foto: Michael Detter

krimi-tick.de: Wie und wann entstand Ihre Idee zu Ihrem Buch „Der Kopf des Korsen“?

Jean Renard: Vor einigen Jahren bei einem Tauchgang vor der korsischen Stadt Calvi. Er führte zu einem bei Tauchtouristen sehr beliebten Wrack eines Weltkriegs-Bombers, einer „Fliegenden Festung“. Es wäre doch ein skurriler Fall, wenn Touristen plötzlich eine Leiche fänden, die da im Cockpit sitzt, war mein Gedanke. Während sich die eigentliche Geschichte entwickelte, geriet der Tote im Bomber immer mehr zur Nebenfigur, aber er ist immerhin drin geblieben.

krimi-tick.de: Was hat es mit dem Titel „Der Kopf des Korsen“ auf sich?

Jean Renard: Ein spektakulär hohes Kopfgeld, auf einen Korsen ausgesetzt, spielt eine zentrale Rolle. Vor allem aber bildet der „Korsenkopf“ das Wappen der Insel und ist dort omnipräsent. Unser Held hat mit glühender Heimatliebe eigentlich nichts am Hut, aber um zu überleben, muss er wieder Korse werden – im besten, wie im deftigsten Sinne des Klischees.

krimi-tick.de: Warum schreiben Sie ausgerechnet Krimis?

Jean Renard: Krimis und Thriller bilden das Genre, das ich selbst am liebsten lese. Ich lasse mich gern von raffinierter Sprache, klugen Wendungen und harter Action fesseln und bin richtig beleidigt, wenn dem Autoren mittendrin Story oder wichtige Details um die Ohren fliegen oder ihm die Pointen ausgehen. Sagst du oft genug „Das könnte ich aber besser“, musst du irgendwann auch liefern.

krimi-tick.de: Wie ist Ihre Vorgehensweise, bevor überhaupt das erste geschriebene Wort des gerade neu begonnenen Manuskriptes sichtbar ist?

Jean Renard: Ich versuche, in wenigen Seiten aus einer Sammlung diffuser Ideen eine Storyline aufs Papier zu bringen, parallel entsteht eine Liste der Personen und ihrer Beziehung zueinander. Für Korsika gilt: Ich muss an allen Schauplätzen, die es wirklich gibt, selbst gewesen sein. Mit dieser Vorbereitung kann ich loslegen, ohne mir selbst gleich sämtliche Fallstricke für den Leser und Gemeinheiten für die Helden zu verraten. Diese unterwegs selbst zu entdecken, daraus beziehe ich mein Vergnügen am Schreiben.

krimi-tick.de: Wie sieht Ihr gewöhnlicher Tagesablauf beim Schreiben aus?

Jean Renard: Morgens um sechs aufstehen, drei Becher Kaffee, fünf Seiten Manuskript. Dann will der Hund raus. Was ich als Auftragsautor zu verfassen habe, passiert tagsüber. Danach nochmal fünf Seiten, es sei denn, das Leben kommt dazwischen. Jeden dritten Tag nehme ich mir ältere Passagen zur Brust. Mit etwas zeitlicher Distanz kann Selbstkritik biblische Wucht entwickeln.

krimi-tick.de: Welche/n Schriftsteller/in würden Sie gerne einmal treffen und was würden Sie ihn/sie fragen?

Jean Renard: Da muss ich keine Sekunde überlegen: Jörg Juretzka, Schöpfer des Ruhrpott-Detektivs Kryszinsky, übrigens auch ein Korsika-Liebhaber. Seine Kniffe, auch Verlierer und Außenseiter mit seinem gnadenlosen und gnadenlos guten Humor zu überziehen, ihnen dabei aber alle Würde zu lassen, sind allerbestes Autorenhandwerk. Ich würde ihn fragen, wann er sich wo auf Korsika herumtreibt und ihm dann dort ordentlich einen ausgeben.

krimi-tick.de: Was lesen Sie gerade?

Jean Renard: „Tatjana“ von Martin Cruz Smith.

krimi-tick.de: Gibt es etwas was Ihnen schwer fällt zu schreiben, oder etwas was Sie gar nicht schreiben würden?

Jean Renard: Ich lasse von allem die Finger, was mit Mathematik, Physik und Chemie zu tun hat. Die drei haben sich verbündet, um mir eine ansonsten wunderbare Schulzeit zu versauen. Dafür strafe ich sie seit drei Jahrzehnten mit Mißachtung, das haben die jetzt davon.

Autor: cm | krimi-tick.de

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