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Das Interview mit Karin Diemerling, der Übersetzerin des Thrillers ¨So was von tot¨

Feb 24, 16 • Kollegen im FokusNo CommentsRead More »
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Thriller, die von Hause aus ein unbändiges Tempo an den Tag legen und gespickt sind mit Situations- und Wortwitz, sind bei der Übersetzung eine grosse Herausforderung. Nicht viele beherrschen die Kunst das sprachliche Uhrwerk souverän und pointiert zu übersetzen. Wir haben uns mit einer Künstlerin in diesem Bereich unterhalten – Karin Diemerling.

Karin Diemerling Copyright: Ch. Hohenstein

Karin Diemerling
Copyright: Ch. Hohenstein

Über das Buch „So was von tot“

Michael Hendricks ist ein Auftragskiller der ganz besonderen Art: Er tötet ausschließlich andere Auftragskiller. Er weiß, wen das organisierte Verbrechen als Nächsten aus dem Weg räumen will. Er weiß, wie und wo man das rauskriegt. Sein Geschäftsmodell: Er sucht das Opfer auf, sagt ihm gnadenlos die Wahrheit – und macht ein Angebot, das man nicht ausschlagen kann: Zahl mir zehnmal so viel wie dem Killer, der auf dich angesetzt ist, und ich blas dem Kerl das Lebenslicht aus. Bisher hat er noch nie danebengeschossen, vierzig Mal tödliche Präzision. Doch dann steht er plötzlich selbst auf der Abschussliste eines Auftragskillers …

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Das Interview mit Karin Diemerling

krimi-tick.de: Wie und wann entstand bei Ihnen die Idee, die Übersetzung “So was von tot” von Chris Holm zu machen?

Karin Diemerling: Die Idee hatte vorallem der Lektor des Verlags, mit dem ich schon oft und gern zusammengearbeitet habe. Er hat mir das Manuskript zur Übersetzung angeboten, ich habe hineingelesen, fand es originell und spannend und habe zugesagt.

krimi-tick.de: Wie kommen Sie dazu, als Übersetzerin hinter den Kulissen zu arbeiten?

Karin Diemerling: Ich habe, größtenteils in Hamburg, Germanistik, Anglistik und Italianistik studiert und wusste nach dem Examen nicht, was ich mit diesem wunderbaren Studium denn nun anfangen soll. Irgendwann ergab sich die Möglichkeit, ein Volontariat in einem kleinen Hamburger Verlag zu machen, den es heute nicht mehr gibt. Im zweiten Jahr durfte ich selbst Übersetzungsmanuskripte redigieren, und da habe ich gemerkt: Das ist es, was ich eigentlich machen will – übersetzen. Ich habe eine Probeübersetzung für den Verlag angefertigt, die Lektorin fand sie gut, und ich durfte den Roman übersetzen. Es wurde dann schnell zur Leidenschaft – und zum Beruf. Mittlerweile lebe ich seit gut einem Jahr in der Schweiz – leider nicht in der italienischen, obwohl ich tatsächlich öfter dort bin.

krimi-tick.de: Wie ist Ihre Vorgehensweise, wenn Sie eine Übersetzung neu in Ihr Programm aufnehmen?

Karin Diemerling: Mein Programm? Das hört sich gut an. Also, wenn ich ein neues Buch anfange, lese ich zuerst einmal hinein und rechne mir aus, wie viele Seiten ich am Tag schaffen kann, um einen Zeitplan festzulegen. Inzwischen bin ich erfahren genug, um den Schwierigkeitsgrad oder eventuellen Rechercheaufwand einschätzen zu können. Dann kalkuliere ich noch zwei bis vier Wochen für die Überarbeitung der ersten Fassung ein. Krimis lese ich übrigens vorher nie ganz, höchstens das erste Drittel, um mir selbst die Spannung zu erhalten, das hat sich bewährt. Ist der Plot sehr komplex, muss ich natürlich schon mal vor- und zurückblättern, um bestimmte Stellen richtig zu interpretieren.

krimi-tick.de: Wie sieht Ihr persönlicher Tagesablauf als Übersetzerin aus?

Karin Diemerling: Oft fangen schon bei der ersten Tasse Kaffee morgens die Übersetzungsprobleme im Kopf an zu rotieren. Da sitze ich noch nicht am Schreibtisch, aber mit dem Abstand und der Arbeit des Unterbewussten über Nacht löst sich vieles erstaunlich flott. Dann mache ich ein paar Dehnübungen für den Schreibtischrücken, und dann geht’s los. Meistens arbeite ich ganz bieder nine to five oder eher ten to seven und gehe zwischendurch joggen oder oder mit einer Kollegin Kaffee trinken, aber jedenfalls an die frische Luft. Zuweilen lassen sich Spät- und Wochenendschichten nicht vermeiden, meist kurz vor Abgabetermin.

krimi-tick.de: Welche Übersetzungen würden Sie gerne einmal machen und warum?

Karin Diemerling: Ich habe eine Vorliebe für irische und britische, insbesondere schottische, Autorinnen und Autoren. Die Krimis z. B. sind sehr dicht am Leben, oft hart und melancholisch, und atmosphärisch unschlagbar. Allein die Wetterbeschreibungen! Aber auch oft von hoher sprachlicher, manchmal geradezu poetischer Qualität. Karen Campbell und Ann Cleeves sind toll, sie würde ich gern mal übersetzen. Der größte Traum wäre es, Colm Tóibín zu übersetzen, den ich sprachlich und überhaupt großartig finde. Aber auch bei Ali Smith, Jeanette Winterson oder Sadie Jones würde ich nicht nein sagen.

krimi-tick.de: Was lesen Sie gerade?

Karin Diemerling: Was ganz anderes, nämlich Karl-Ove Knausgårds „Träumen“. Ich wollte mal wieder was Gutes auf Deutsch lesen, habe es in der Buchhandlung angelesen und zack! Die Sprache, der Ton haben mich sofort in ihren Bann gezogen. Hut ab vor dem Kollegen Paul Berf. Weil es aber so dick ist und ich eine Pause brauchte, habe ich gerade Ian McEwans „TheChildren Act“ zwischendurch gelesen.

krimi-tick.de: Gibt es etwas, was Ihnen schwer fällt zu übersetzen, oder was überhaupt gar keine Chance hätte, von Ihnen übersetzt zu werden?

Karin Diemerling: Ich hatte mal einen italienischen Autor, Marco Buticchi, der Historien-Thriller schreibt, nicht unspannend, aber dafür musste ich massenhaft historische Waffengattungen, Panzer und anderes Kriegsgerät recherchieren, und zwar teilweise bis ins Detail. Das war ausgesprochen mühsam. Aber grundsätzlich würde ich nichts ausschließen, noch nicht mal Science fiction. Ein Buch muss nur einen gewissen Reiz haben, eine charmante Idee, tolle Dialoge, und schon bin ich angefixt.

Weiterführende Infos

Facebook Seite der Übersetzerin Karin Diemerling: https://www.facebook.com/karin.diemerling >>

Autor: cm | krimi-tick.de

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