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[Rezension] – der historische Islandthriller „Das Seelenhaus“ von Hannah Kent

Okt 15, 14 • ThrillerNo CommentsRead More »
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„Ich bin bis zum Hals an mein Schicksal gekettet.“ – so kommt die Protagonistin Agnes, die zum Tode verurteilt die letzten Wochen auf dem Kornsáhof verbringt, rüber. Zwischen den Zeilen entstehen Bilder, die mit den Worten lebendig zu werden erscheinen. Das Mittel der sprachlichen Beschreibung wird kunstvoll eingesetzt von der Autorin Hannah Kent. 

Claudia Zapp  / pixelio.de

Claudia Zapp / pixelio.de

Über dieses Buch „Das Seelenhaus“

Island 1828. Agnes ist eine selbstbewusste und verschlossene Frau. Sie wird als hart ­arbeitende Magd respektiert, was sie denkt und fühlt, behält sie für sich. Als sie des Mordes an zwei Männern angeklagt wird, ist sie allein. Die Zeit bis zur Hinrichtung soll sie auf dem Hof eines Beamten verbringen. Die Familie ist außer sich, eine Mörderin beherbergen zu müssen – bis Agnes Stück um Stück die Geschichte ihres Lebens preisgibt.Die Tat war grausam: zwei Männer erschlagen, erstochen und verbrannt. Die angeblichen Täter, neben Agnes Magnúsdóttir ein junges Paar, werden zum Tode verurteilt. Vor allem an Agnes will der zuständige Landrat ein Exempel statuieren.

Scheinbar ungerührt nimmt Agnes das Urteil hin, ebenso wie die Ablehnung der Familie. Erleichtert, dem Kerker entkommen zu sein, kann sie bei der Arbeit manchmal ihr Schicksal vergessen. Vieles hier ist ihr vertraut: die schroffe Landschaft, die ärmliche Torfbehausung, der harsche Ton der Hausherrin. Ihr ganzes Leben war davon bestimmt – bis sie einen Mann kennenlernte und sich nach langer Zeit erlaubte, sich ihre Sehnsucht nach Liebe und Zugehörig­keit einzugestehen. Der Schmerz über seinen Tod, der ihr nun angelastet wird, überlagert alles, auch die Angst vor dem eigenen Tod. Schließlich vertraut sich Agnes einem jungen Vikar an, der sie auf den Weg der Reue und Buße führen soll. Während der langen Gespräche, die die ganze Familie mithört, ist es vor allem

Margrét, die Hausherrin, die ahnt, dass die offizielle Wahrheit über Agnes vielleicht falsch sein könnte.

Eine Meinung zum Buch

Zwischen den Zeilen entstehen Bilder, die mit den Worten lebendig zu werden erscheinen. Das Mittel der sprachlichen Beschreibung wird kunstvoll eingesetzt – fast ist es so, als ob die schroffe Landschaft, die ärmliche Torfbehausung, bei der die hölzerne Innenverkleidung entfernt wurde um damit Schulden zu begleichen, der kantige Ton der Bauernfamilie – als Bild lebendig wird. Es entsteht die Kulisse einer genauso karstigen Landschaft Islands im Jahre 1829.

„Ich bin bis zum Hals an mein Schicksal gekettet.“ – so kommt die Protagonistin Agnes, die zum Tode verurteilt die letzten Wochen auf dem Kornsáhof verbringt, rüber. Eine ganz normale Frau mit einem außergewöhnlichen Schicksal. Extrem in sich zurückgezogen zu Beginn des Buches öffnet sie sich mehr und mehr und gibt ein für uns heutzutage unwirkliches Leben Preis und vertraut sich dabei einem noch jungen Vikar an. Wir halten ein Leben in den Händen, das von der Autorin Hannah Kent in ihrem Thriller „Das Seelenhaus“ ausgebreitet wird.

Mit einem feinen Sinn für Bilder und einem intensiven Gefühl für Sprache ausgestattet erzählt Hannah Kent die Geschichte von Agnes und nimmt das Ende des Buches gleich zu Anfang vorweg: Agnes wird hingerichtet. Agnes erlebt zu Beginn mit ihrer Entlassung aus dem Kerker eine Wiedergeburt und einen zeitlich begrenzten Neuanfang. Im Gegensatz zur Familie, die gezwungen wurde sie für die letzten Monate aufzunehmen, sieht sie das karstige Leben mit anderen Augen und mit einer ganz eigenen Sensibilität. Sie ist die tragende Figur in diesem historischen Thriller, bei dem es neben dem Schicksal von Agnes Magnúsdóttir auch um die Klassengesellschaft Islands im Jahre 1829 geht. Einer genau solchen Klassengesellschaft, die zu dem Schicksal von Agnes führt. „Das Seelenhaus“ beinhaltet als gesellschaftskritischem Thriller die Geschichte der letzten Exekution Islands. Einer Geschichte von Agnes, die in der isländischen Literatur als kaltherzige Hexe überliefert ist.

So sieht die Autoring Hannah Kent das Buch – wir haben ein Interview mit ihr geführt: http://www.krimi-tick.de/2014/09/21/der-erstaunliche-historische-islandthriller-das-seelenhaus-nach-einer-wahren-begebenheit-geschrieben-von-der-autorin-hannah-kent/ >>

Kaufempfehlung

Weiterführende Infos

 
picador.com: A photo essay from Iceland – Climbing the slope of Þrístapar, the site of execution, a few days before the 183rd anniversary of Agnes’s death
http://www.picador.com/blog/august-2013/burial-rites-a-photo-essay-from-iceland >>
 
radiergummi.wordpress.com: Bei diesem Buch, das mir meine Buchhändlerin in die Hand drückte, kämpfte ich mit Vorurteilen, ich kann es nicht leugnen
http://radiergummi.wordpress.com/2014/09/03/hannah-kent-das-seelenhaus/ >>
 
herringandclassstruggle.blogspot.de: May it do you good: Agnes Magnúsdóttir, the life and execution of an Icelandic peasant
http://herringandclassstruggle.blogspot.de/2013/12/may-it-do-you-good-agnes-magnusdottir.html >>
 
lese-himmel.blogspot.de: Als ich die Inhaltsangabe gelesen habe, war mir sofort klar, dass ich ein ganz besonderes Buch in den Händen halte.
http://lese-himmel.blogspot.de/2014/08/meine-rezension-zu-das-seelenhaus-von.html >>
 
katzemitbuch.de: [REZENSION] Das Seelenhaus
http://www.katzemitbuch.de/2014/10/rezension-das-seelenhaus.html >>
 
Autor: cm | krimi-tick.de

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