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Der Wettlauf mit der Zeit – „Tod am Kilimandjaro“ von Reinhard Scharff

Okt 10, 14 • ThrillerNo CommentsRead More »
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Der Kopf fühlt sich immer dort am wohlsten, wo er bisher nicht gewesen ist – aus dieser Perspektive betrachtet sind sowohl die häufigen Zeitsprünge, als auch die vielen miteinander kombinierten Handlungsstränge ein interessantes Stilmittel, die dieses mutige und sehr spannende Buch zu einem Thriller der Sonderklasse mit hohem Suchtfaktor machen. 

Christin Hoepfner | krimi-tick.de

Christin Hoepfner | krimi-tick.de

Über das Buch „Tod am Kilimandjaro“

Dr. Udo Reinertshagen, Vorstandsmitglied des größten europäischen Finanzkonzerns, der Ersten Allgemeinen Finanz-Gruppe, weilt in Afrika, um eine Konferenz zur Neuordnung der Entwicklungshilfe für den schwarzen Kontinent vorzubereiten. Auf dieser Konferenz soll von den Europäern ein neues, nachhaltiges Entwicklungskonzept beschlossen werden, das auf der Theorie zur Nutzung der endogenen Entwicklungspotenziale basiert. Das Ziel dieser Konferenz ist es, endlich die Weichen für eine nachhaltige und selbsttragende Wirtschaftsentwicklung zu stellen. Doch die Sache gestaltet sich schwierig. Die deutschen Großbanken blocken und die US-Amerikaner, Chinesen und Russen haben eigene Pläne, wie sie ihr Schäfchen in Afrika ins Trockene bringen können.

Da taucht überraschend seine Ex-Flamme, die Zigeunerin Sophia, in Daressalam auf. Sie gibt vor, eine Safarireise gebucht zu haben. In Wirklichkeit ist sie auf der Suche nach dem Vermächtnis ihres ostpreußischen Urgroßonkels, der im 19. Jahrhundert nach Deutsch-Ostafrika auswanderte und in Tansania ein Vermögen vergraben hat, das bis heute nicht gefunden wurde. Sophia hat die Schatzkarte im Gepäck und überredet Udo, ihr zu helfen. Doch das ist nicht so einfach, wie es scheint. Die Hinweise zum Schatzversteck sind verschlüsselt in den Tagebüchern des Karl Albert von Schweitzer versteckt. Ohne Wissen um Zahlenmystik und die Geografie Vorkriegsdeutschlands geht es nicht voran.

Eine Meinung zum Buch

Den kulturellen Hintergrund eines solch riesigen Kontinents wie Afrika darzustellen, das in ein Buch zu verpacken und dem dann auch noch eine spannende Handlung zu geben – ist unbestreitbar eine Sisyphosaufgabe. Dem Autor Reinhard Scharff ist genau das mit seinem Buch „Tod am Kilimandjaro“ gelungen. Er vollbringt das Kunststück in sich geschlossene Plots als Handlungsstränge zu verweben, in unterschiedlichen Zeitebenen miteinander zu verknüpfen und die Berührungspunkte in den Protagonisten des Buches wiederzuspiegeln.

Die Person Udo Reinertshagen bildet als Vorstandsmitglied eines europäischen Finanzkonzerns, der in Afrika eine internationale Konferenz zur Neuordnung der Entwicklungshilfe organisiert, den Gegenwartsbezug und stellt zugleich eine Identifikationsfigur dar. Die Roma Sophi, deren Wurzeln bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen und sehr eng mit dem ostpreußischen kolonialen Hegemonibestreben in Afrika verknüpft ist, ist eine attraktive, lebenslustige und lebendige Frau. Sophia ist für die historische Dimension des Buches quasi zuständig und schlägt die Brücke in die Vergangenheit. Ihr ostpreußischer Urgroßonkel hat nach seiner Auswanderung nach Deutsch-Ostafrika einen sagenumwobenen Schatz vergraben.

Der Spannungsbogen nimmt seinen Anfang, als Sophia in Daressalam auftaucht und sich auf die Suche nach dem Schatz begibt. Natürlich ist sie dabei auf die Hilfe mehr oder weniger lokal ansässiger Personen angewiesen, die sorgfältig ausgewählt die regionalen Verhältnisse und politischen Konstellationen näher beleuchten. Darunter sind auch die „Bösewichter“, die sowohl die Ziele der Entwicklungskonferenz boykottieren wollen und dabei so gar nicht zimperlich über Leichen gehen, als auch ihre eigenen Interessen ostpreußischen Schatz geltend machen. Es entspannt sich ein Wettlauf mit der Zeit, das Tempo der Geschichte nimmt erheblich zu.

Der Autor Reinhard Scharff geht mit der Gestaltung des Handlungsablaufs ein großes Risiko ein die Leser inhaltlich zu verlieren. Er integriert häufig schnelle Zeitsprünge, die er aufgeteilt in unterschiedliche, teils sehr kurze Kapitel in die Geschichte integriert. Allein das Inhaltsverzeichnis umfasst mehrere Seiten, da die Kapitelüberschriften jeweils einen eigenen Eintrag im Inhaltsverzeichnis haben. Das wirkt monströs und verlangt vom Leser ein großes Maß an erfrischender Flexibilität, um der Handlung zu folgen. Das scheint nicht Jedermanns Sache zu sein und führt zu abfälligen Leserkommentaren auf Amazon.

Der Kopf fühlt sich immer dort am wohlsten, wo er bisher nicht gewesen ist – aus dieser Perspektive betrachtet sind sowohl die häufigen Zeitsprünge, als auch die vielen miteinander kombinierten Handlungsstränge ein interessantes Stilmittel, die dieses mutige und sehr spannende Buch zu einem Thriller der Sonderklasse mit hohem Suchtfaktor machen. Auf rund 300 Print-Seiten hat der Autor einen Thriller epischen Ausmaßes komprimiert, das bei andere Autoren gut und gerne das Doppelte beansprucht hätte. – mindestens – und den Mythos der tansanischen Steppe und des Kilimandjaros als höchsten Berg Afrikas äußerst lebendig werden lässt.

Kaufempfehlung

Autor: cm | krimi-tick.de

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