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Autoren im Fokus: Das Interview Boris von Smercek, dem Autor des phantastischen Historienthrillers „Incognita“

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Als Mitglied im „Club der fetten Dichter“ und als Thrillerautor ist Boris von Smercek längst kein Unbekannter mehr. Die Leserresonanz auf unsere Rezension des Buches „Incognita“ >> und die Begeisterung für das Buch selbst haben uns dazu bewogen ein Interview mit dem Autor zu führen.

Über das Buch „Incognita“

Historiker John McNeill kann es kaum glauben: Mithilfe einer Zeitmaschine reist er ins Jahr 1541 in die Andenstadt Quito. Dort schließt er sich der Expedition Gonzalo Pizarros an, die auf der Suche nach Gold und wertvollen Gewürzen den südamerikanischen Urwald durchqueren will. Anfangs läuft alles nach Plan, aber dann geschehen plötzlich sonderbare Dinge, die in keinem Geschichtsbuch stehen. Während John zu begreifen versucht, was vor sich geht, gerät er immer mehr zwischen die Fronten der spanischen Konquistadoren. Doch die sind schon bald sein geringstes Problem. Denn überall im Urwald lauern tödliche Gefahren …

 

Das Interview mit dem Autor Boris von Smercek

Boris Smerzek

Boris Smerzek

krimi-tick.de: Wie und wann entstand die Idee zu Ihrem Buch „Incognita“?

Boris von Smercek: Die Idee entstand vor etwa zehn bis zwölf Jahren, das Taschenbuch ist ja bereits 2007 bei Bastei Lübbe erschienen. Die Entdeckung Südamerikas hatte mich damals schon seit einiger Zeit interessiert, ausgelöst durch Werner Herzogs Verfilmung „Aguirre, der Zorn Gottes“ und einige Sachbücher, die ich darüber gelesen hatte. Ich fand es faszinierend, mit wie viel Mut die spanischen Konquistadoren damals als erste Menschen den Amazonas durchquert haben. Gleichzeitig wurde mir aber auch klar, wie grausam sie gegenüber den Eingeborenen vorgingen. Ich wollte dieses Zeitalter gerne realistisch und plastisch schildern – aus Sicht eines modernen Menschen – und ihn dann an einen Punkt kommen lassen, wo die erlebte Geschichte plötzlich nicht mehr mit den historisch belegten Fakten übereinstimmt. Ich fand dieses Gedankenspiel so spannend, dass ich es in einem Roman verarbeiten wollte.

krimi-tick.de: Warum schreiben Sie ausgerechnet Thriller?

Boris von Smercek: Aus zwei Gründen: Erstens, weil es mir am meisten Spaß macht. Und zweitens, weil ich glaube, dass ich das am besten kann. Ich habe ja auch schon zwei Business-Fabeln, einen Jugend-Abenteuerroman und einen historischen Roman über Sklaverei geschrieben. Der Sklaven-Roman liegt heute noch unveröffentlicht in der Schublade. Der Jugend-Roman lief ziemlich schleppend. Die Business-Fabeln waren Auftragsarbeiten. Gemessen an der Anzahl der Auslandslizenzen und am Honorar pro Seite waren die Fabeln sogar meine erfolgreichsten Bücher. Aber wenn man so viel Zeit in ein Projekt investiert wie ein Schriftsteller in ein Buch, dann muss der Spaß-Faktor stimmen. Deshalb schreibe ich seit damals nur noch Thriller.

krimi-tick.de: Wie ist Ihre Vorgehensweise, bevor überhaupt das erste geschriebene Wort des gerade neu begonnenen Manuskriptes sichtbar ist?

Boris von Smercek: Bei meinem ersten Roman „Tod im Regenwald“ habe ich den Fehler gemacht, einfach mal drauflos zu schreiben, nur mit einer groben Idee im Hinterkopf. Das hat mich wahnsinnig viel Zeit gekostet, weil ich irgendwann an einen Punkt gelangte, an dem die Handlungsstränge nicht mehr zusammenpassten. Es tat weh, hundertfünfzig Seiten mehr oder weniger „in die Tonne zu kloppen“ und noch mal von vorne anzufangen. Seitdem plane ich meine Bücher ziemlich konkret, bevor ich mit dem Schreiben beginne. Natürlich gibt es danach immer noch genug Luft für Improvisation, aber zumindest kann die Geschichte nicht völlig aus dem Ruder laufen.

krimi-tick.de: Wie sieht Ihr gewöhnlicher Tagesablauf beim Schreiben aus?

Boris von Smercek: Ich lebe ja nicht ausschließlich vom Schreiben, sondern habe „ganz nebenher“ auch noch einen Fulltime-Job. Das Schreiben richtet sich deshalb danach, wann ich Zeit dafür finde. Normalerweise nutze ich die Mittagspause, oft auch die Heimfahrt in der S-Bahn. Mit Laptop ist das heutzutage ja kein Problem mehr. Zugegeben, wenn ich die Blicke meines Sitznachbarn auf meinem Monitor spüre, fällt die Konzentration manchmal schwer. Aber für eine Rohfassung reicht es allemal. Die Feinarbeit kommt dann abends oder am Wochenende. Als Frühaufsteher bin ich samstags und sonntags meistens schon ab 6.00 Uhr bei der Arbeit.

krimi-tick.de: Welche/n Schriftsteller/in würden Sie gerne einmal treffen und was würden Sie ihn/sie fragen?

Boris von Smercek: Die meisten Schriftsteller, die ich gerne einmal treffen würde, treffe ich tatsächlich, im so genannten „Club der fetten Dichter“. Das ist eine Gruppe von Autoren aus dem Großraum Stuttgart, die regelmäßig zusammenkommen, um Erfahrungen auszutauschen und Projekte zu besprechen. Zugegebenermaßen gibt es auch immer etwas Leckeres zu Essen, daher wohl der Name unseres Clubs. Regelmäßig mit dabei sind Thomas Thiemeyer, Rainer Wekwerth, Oliver Kern, Uwe Laub, Hermann Oppermann und ich. Andreas Eschbach, Wulf Dorn und Patricia Mennen sind in letzter Zeit leider nur noch selten dabei. Wer sich näher für unseren Club interessiert, darf gerne mal auf www.club-der-fetten-dichter.de >> reinschauen.

Außerhalb dieses Kreises fände ich ein Treffen mit Jussi Adler Olsen interessant. Ich kenne ihn nicht, mag aber seine Bücher. Es würde mich einfach interessieren, was für ein Typ er so ist.

krimi-tick.de: Was lesen Sie gerade?

Boris von Smercek: Zum Lesen bleibt neben dem Job, der Familie und der Schriftstellerei leider wenig Zeit. Aktuell konzentriere ich mich auf das Korrekturlesen der Ebook-Reihe „The Wall“ – das ist das erste gemeinsame Projekt, das der Club der fetten Dichter auf die Beine gestellt hat. Am 04. Oktober, ab 18.00 Uhr, präsentieren wir das Werk in einer Art „Event-Lesung“ in der Nebelhöhle bei Reutlingen. Eingeladen ist jeder, der Spaß an Mystery-Geschichten hat und diesen Abend gerne mit uns verbringen möchte. Auch hierzu finden alle Interessenten nähere Details auf unserer Club-Homepage.

krimi-tick.de: Gibt es etwas, was Ihnen schwer fällt zu schreiben, oder etwas, was Sie gar nicht schreiben würden?

Boris von Smercek: Selbstkritisch würde ich sagen, dass mir bildhafte Beschreibungen nicht so leicht von der Hand gehen – Landschaften, Umgebungen, Gesichter. Nicht, dass ich das nicht kann (jedenfalls hoffe ich das), aber so etwas dauert bei mir immer viel länger als echte Handlung. Es ist mir zum Beispiel ein Rätsel, wie Umberto Ecco in „Der Name der Rose“ seitenweise ein einziges Kirchenportal schildern kann. Deshalb beschränke ich mich bei solchen Dingen meistens auf das Wesentliche, auch um dem Leser etwas Platz für seine Phantasie zu lassen. Ich denke, dass das „Kino im Kopf“ auch so ganz gut funktioniert. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden. Ach ja, bei Liebesromanen muss ich ebenfalls passen. Ich wollte, ich könnte so etwas schreiben – ehrlich! Aber ich fürchte, in diesem Leben wird das wohl nichts mehr, sehr zum Leidwesen meiner Frau.

Weiterführende Infos

borisvonsmercek.de: Was gibts Neues? Die Autorenhomepage
http://www.borisvonsmercek.de/index.html >>
 
club-der-fetten-dichter.de: Herzlich Willkommen im Club der fetten Dichter! Bis Du bereit für die Wand?
http://club-der-fetten-dichter.de/index.html >>
 
Autor: cm | krimi-tick.de

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