krimi-tick.de

Kollegen im Fokus: Das Interview mit Gregor Middendorf – dem Macher hinter dem Buchtrailer zu „Amandas Suche“

Sep 13, 14 • Kollegen im FokusNo CommentsRead More »
FacebookLinkedInTwitterGoogle+PinterestEmpfehlen

Peppige und wirkungsvolle  Trailer zu machen ist eine Kunst, derer sich Gregor Middendorf gewidmet hat. Neben dem bekannten interaktiven „Deathbook“ hat er auch einen Trailer zu Amandas Suche aus dem Hause Suhrkamp produziert. Wir wollten das genauer wissen und haben ein Interview mit ihm gemacht.

Über das Buch Amandas Suche

Amanda ist lebensklug und ausgesprochen eigensinnig. Sie wächst in San Francisco auf, der Stadt der Freigeister. Ihre Mutter Indiana führt eine Praxis für Reiki und Aromatherapie und steht im Mittelpunkt der örtlichen Esoterikszene. Der Vater ist Chef des Polizeidezernats und ermittelt in einer grausamen Mordserie. Auf eigene Faust beginnt Amanda Nachforschungen dazu anzustellen, unterstützt von ihrem geliebten Großvater und einigen Internetfreunden aus aller Welt. Doch als Indiana spurlos verschwindet, wird aus dem Zeitvertreib plötzlich bitterer Ernst. Und Amanda muss über sich hinauswachsen, um die eigene Mutter zu retten. »Amandas Suche« erzählt den Weg einer furchtlosen jungen Frau, die mit allen Mitteln verteidigt, was sie liebt – ein fesselnder Roman über das kostbare Band zwischen Müttern und Töchtern und die lebensrettende Kraft der Familie.

Der Trailer zum Buch

 

Das Interview mit Gregor Middendorf, dem Inhaber der Middenberg Movies

Gregor Middendort | Middendorf Movies

Gregor Middendort | Middendorf Movies

krimi-tick.de: Du hast das Trailer-Video zu Isabel Allendes Erstlings-Krimi „Amandas Suche“ produziert – wie ging das vor sich? Hat Dich der Suhrkamp Verlag angerufen und gefragt: ‚Hast Du Zeit?‘

Gregor Middendorf: Ich kann jetzt nichts Direktes dazu sagen, aber allgemein ist es so, dass ich mittlerweile schon sehr gute Referenzen habe, die mir ein paar Türen öffnen. Geschenkt bekommt man aber nichts. Jeder Trailer und jede Arbeit werden neu bewertet, und wenn man nicht immer wieder alles gibt, sind die Referenzen schnell nichts mehr wert.

krimi-tick.de: Du betreibst mit einem Partner die Middendorf Movies – ihr macht Foto, Film und Webdesign. Ist das nicht ein bisschen viel für Zwei?

Gregor Middendorf: Genauer gesagt: mit meinem Bruder. Wir sind ein Familienbetrieb. Meine Mutter macht die Buchhaltung, mein Vater das Lektorat für die Werbung (Er ist Schriftsteller und hat zufällig auch zwei Romane bei Suhrkamp veröffentlicht ;-)) und mein Bruder macht die Programmierung und die Illustrationen.

Aber Du hast recht, eigentlich ist das schon alles zu viel. Das liegt allerdings ein bisschen an dem modularen Aufbau meiner „Karriere“. Ich hatte während meiner Ausbildung die Website für meinen Ausbildungsbetrieb erstellt. Danach bekam ich immer wieder Aufträge für Websites. Für die Kontaktseiten schickte man mir dann immer schlecht aufgelöste Bilder in einem Word-Dokument zu, am besten noch mit Paint bearbeitet. Irgendwann habe ich mir eine Spiegelreflexkamera gekauft, um die Bilder selber zu machen. Da ich schon immer filmen wollte, beschäftigte ich mich natürlich auch mit der Videofunktion der Kamera. So kam es dann irgendwann dazu (Gott hilft denen, die sich selbst helfen), dass ich den Auftrag für 3 Buchtrailer bekam. Der Printbereich kam durch meinen Schwiegervater zustande. Er ist Inhaber einer Frisiersalon-Kette und hatte mir die ersten Aufträge für Print erteilt.

Grundsätzlich dient mir alles dazu, irgendwann zum Film zu kommen, das ist das erklärte Ziel. Das Equipment, das man zum Filmen braucht, kostet nun mal enorm viel, und das verdiene ich mir mit der Werbeagentur. Ich muss auch zugeben, dass ich die Abwechslung manchmal sehr genieße. Nach einem längerem „Filmprojekt“, das immer sehr viel Kreativität fordert, die stets auch mit einem kreativen Chaos einhergeht, freue ich mich anschließend regelmäßig, mit meinem Bruder wieder eine klar strukturierte Website zu erstellen. Irgendwie ordnet das einen wieder.

krimi-tick.de: Wie ist Deine Vorgehensweise, bevor überhaupt das erste „Schnipsel“ des gerade begonnenen Projekts sichtbar wird?

Gregor Middendorf: Nachdem ich vom Verlag den Auftrag, für einen Trailer bekommen habe, setze ich mich hin und lese das komplette Buch. Während der Lektüre entwickelt sich ja optimalerweise ein Film im Kopf. Die prägnantesten Szenen setze ich dann zu einer kleinen Geschichte zusammen, bevor ich anschließend dann das Drehbuch schreibe. Danach bespreche ich das Drehbuch mit dem Verlag. Wenn es dem Verlag gefällt und es sich mit dem Werbekonzept vereinbaren lässt, geht es ans Drehen.

krimi-tick.de: Wie sieht Dein gewöhnlicher Tagesablauf beim Arbeiten aus?

Gregor Middendorf: Sagen wir mal so: Ich habe eine ziemlich innige Beziehung zu meinem Computer. Sonst kann ich nicht viel über gewöhnliche Sachen sprechen. Mal stehe ich in einer 50 Meter langen Schlange im Supermarkt – alle kaufen lebenswichtige Sachen ein, haben übervolle Einkaufswägen –, und ich lege eine einzelne Gummiratte aufs Band. Dann diskutier ich mit einem bekifften Clown in der Toilette, der sich beschwert, dass er unter dem desolaten „Produzenten“ nicht arbeiten kann, während dieser im Hintergrund laut vor sich hin fluchend im Kreis rennt. Dann liege ich mit einem Verleger und einer als Prostituierte gekleideten Darstellerin zu dritt in einem Puff im Himmelbett und starre in den sich im Barockspiegel reflektierenden Himmel, der durch einen raffinierten Krümmungswechsels des Glases zwischen konkav und konvex variiert. (Le Dernier Cri: Konvex mit Sex.) Ich könnte noch seitenweise so weitermachen 😉

krimi-tick.de: Welche/n Schriftsteller/in würdest Du gern einmal treffen, was würden Du ihn/sie fragen, um danach einen Buchtrailer zu produzieren?

Gregor Middendorf: Ulrich Warnke. Mich hier auf eine einzige Frage festzulegen, wäre bei der Komplexität seiner Bücher eine Unverschämtheit. Ich würde aber gern ein (am liebsten mehrere) ausführliches Gespräch mit ihm führen.

krimi-tick.de: Was liest Du gerade?

Gregor Middendorf: Übung der Nacht. Ein Buch über Traumyoga und luzides Träumen. Als „Künstler“ bezieht man seine Ideen ja nicht aus rationalen Überlegungen. Man bezieht sie aus einer Zwischenwelt zwischen Wachsein und Träumen. Daher ist es für mich genauso eine Art Fachbuch wie die Bedienungsanleitung einer Kamera. 😉

krimi-tick.de: Gibt es etwas, was Dir schwerfällt, zu produzieren, oder etwas, was Du gar nicht produzieren würdest?

Gregor Middendorf: Ich würde nichts produzieren, das irgendwie im Zusammenhang steht, Menschen zu schaden. Jetzt könnte man natürlich meine Trailer ansehen und sagen, dass diese brutal sind, weil darin häufig auch Menschen sterben. So paradox das bei einer fiktiven Geschichte auch klingen mag: Aber die Geschichten spiegeln die Wahrheit. Wobei man allerdings einen Aspekt nicht vergessen darf, dass die Bücher, die ich bewerbe, einzig und allein dem Zweck dienen, zu unterhalten.

Kleines Beispiel: Marlboro würde zu mir kommen und mir 5 Millionen Euro dafür geben, Werbung für sie zu machen. Ich würde das Angebot nicht annehmen. Jeder, der mich kennt, weiß das.

Weiterführende Infos

middendorf-movies.de: Middendorf Movies ist eine Full-Service Werbeagentur mit Fokus auf multimedialen Inhalten
http://www.middendorf-movies.de/ >>
 
Autor: cm | krimi-tick.de

Tags:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

1 × 3 =