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Kollegen im Fokus: Das Interview mit Andrea Stephani, der Übersetzerin von Frankreichs Stunde Null „Das schwarze Korps“

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Die ins Deutsche übersetzte Reihe der französischen Autorin Dominique Manotti wären mit Sicherheit nicht solch ein Brüller ohne die Arbeit von Andrea Stephani. Die Übersetzerin versteht es neben der als Sebstverständlichkeit aufzufassenden sprachlichen Fertigkeit die Stimmungen in geeigneter Weise ins Deutsche zu übertragen und damit ein eigenes deutschsprachiges Werk zu schaffen. Wir haben den Vorhang beiseite gezogen und ein Interview mit Andrea Stephani geführt.

Über das Buch „Das schwarze Korps“buchcover_das-schwarze-korps_dominique-manotti

6. Juni 1944: Noch geht Paris an diesem sonnigen Frühsommertag ungerührt seinen Geschäften nach: Die französische Gestapo verhaftet einen amerikanischen Offizier. Vorm Büro ihres Chefs Deslauriers stehen Bittsteller aus Geschäfts- und Halbwelt Schlange. Am Abend hält die schöne Dora Belle, Geliebte eines SS-Hauptsturmführers und zweitklassige Schauspielerin, ihren Salon. Hier trifft sich die Führung von SS und Wehrmacht mit Vertretern von Industrie, Finanzwelt und Kultur: elegantes Dekor, ausgesuchte Delikatessen, Champagner, Sex. Inspecteur Domecq von der Sitte, Verbindungsmann des gaullistischen Widerstands, nutzt den Abend, um Witterung aufzunehmen. Denn nicht nur militärisch steht die entscheidende Schlacht bevor. In Erwartung der deutschen Niederlage müssen Besatzer und Kollaborateure ihren Besitz, ihre Reputation oder auch nur ihre nackte Haut retten. Manches lässt sich mit Geld regeln oder bei einem guten Tropfen.

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Das Interview mit Andrea Stephani

krimi-tick.de: Wie und wann entstand bei Ihnen die Idee die Übersetzung “Das schwarze Korps” von Dominique Manotti zu machen?

Andrea Stephani: Der Verlag fragte mich, ob ich die Übersetzung machen könne. Nachdem ich ariadne 2010 auf Dominique Manottis Romane aufmerksam gemacht hatte, von denen zum damaligen Zeitpunkt nur einer in deutscher Sprache vorlag (Hartes Pflaster, aus d. Frz. von Ana Rhukiz, Assoziation A), begann der Verlag mit der Veröffentlichung der bisher vorliegenden Manotti-Reihe.

krimi-tick.de: Wie kommen Sie dazu als Übersetzerin hinter den Kulissen zu arbeiten?

Andrea Stephani: Das Übersetzen ist eine Arbeit, bei der man größtenteils allein mit dem Text und den nötigen Hilfsmitteln am Notebook sitzt. Ich arbeite gern so und schätze es, mich im (idealerweise) stillen Kämmerlein in einen Text, in Gedankengänge, in Figuren zu vertiefen und darüber nachzudenken, wie all das bestmöglich ins Deutsche übertragen werden kann.

krimi-tick.de: Wie ist Ihre Vorgehensweise, wenn Sie eine Übersetzung neu in Ihr Programm aufnehmen?

Andrea Stephani: In der Regel ist es so, dass ein Verlag mit einer konkreten Übersetzungsanfrage an mich herantritt. Zunächst lese ich den Text gründlich, um die erforderliche Zeit, die u. a. von Schwierigkeitsgrad und Recherchebedarf abhängt, abzustecken. Dann folgt das Übersetzen, das je nach Text begleitet sein kann von Anfragen in Übersetzerforen oder auch Fahrten in gut sortierte Bibliotheken, um z. B. an Zitate heranzukommen, die online nicht verfügbar sind.

krimi-tick.de: Wie sieht Ihr persönlicher Tagesablauf als Übersetzerin aus?

Andrea Stephani: Ich sitze meist von 8:30 bis 12:30 am Schreibtisch, dann kümmere ich mich um das gemeinsame Mittagessen mit meinen schulpflichtigen Kindern. Danach arbeite ich in der Regel weiter, wobei die Arbeit dann mit familiären Erfordernissen oder anderen Dingen des praktischen Lebens auszubalancieren ist. Wenn ein Abgabetermin bevorsteht, arbeite ich oft auch abends.

krimi-tick.de: Welche Übersetzungen würden Sie gerne einmal machen und warum?

Andrea Stephani: Ich übersetze sehr gern gut geschriebene Texte, die ich interessant und wichtig finde. Das gilt sowohl für Romane als auch für Sachtexte, z. B Aufsätze in Kunstkatalogen. Wenn ich den Eindruck habe, dass ein Text den Blick auf ein Thema schärft oder eine Fragestellung voranbringt, empfinde ich meine Arbeit als sinnvoll.

krimi-tick.de: Was lesen Sie gerade?

Andrea Stephani: Marion Poschmann: Die Sonnenposition, Gregory Orr: Poetry as Survival.

krimi-tick.de: Gibt es etwas, was Ihnen schwer fällt zu übersetzen, oder was bei Ihnen überhaupt gar keine Chance hätte es von Ihnen übersetzt zu werden?

Andrea Stephani: Um einen Text übersetzen zu können, muss ich ihn verstehen (klingt banal, ist es aber nicht). Ein unausgegorener Ausgangstext mit schiefen Metaphern ist daher mühsam und vielleicht nur mit vielen Nachfragen zu übersetzen und macht kein Vergnügen. Keine Chance haben diskriminierende Texte welcher Art auch immer.

Weiterführende Infos

amazon.de: Andrea Stephani’s übersetzt Manotti-Reihe
http://www.amazon.de/B%C3%BCcher-Andrea-Stephani/s?ie=UTF8&page=1&rh=n%3A186606%2Cp_27%3AAndrea%20Stephani >>
 
fr-online.de: Noch schnell was rausholen – Andrea Stephani findet die richtigen Worte
http://www.fr-online.de/literatur/wirtschaftskrimi–letzte-schicht–noch-schnell-was-rausholen,1472266,4566156.html >>
 
cjoes-blog.de: Ohne die Übersetzerin Andrea Stephani wäre die Manotti-Bücher nicht so gut
http://www.cjoes-blog.de/books/ariadnekrimi/ariadne_krimi-ausbruch-von-dominique-manotti.html >>
 
Autor: cm | krimi-tick.de

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