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Kollegen im Fokus: Das Interview mit dem Übersetzer des actiongeladenen Thrillers „Blood Target“ Leo Strohm

Jun 17, 14 • Kollegen im FokusNo CommentsRead More »
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Bücher zu Übersetzen ist eine große Kunst. Die Übersetzer arbeiten dabei im Hintergrund und machen das literarische Werk einem größeren Publikumskreis zugänglich. Grund genug für uns beim Übersetzer Leo Strohm genauer hinzuschauen, dem mit der Übersetzung v0n „Blood Target >>“ ein Burner gelungen ist.

Über das Buch „Blood Target“

Victor, ein brillanter Auftragskiller im Dienst der CIA, steht vor seinem bisher gefährlichsten Einsatz: Bei einem kürzlich ermordeten Berufskollegen Victors fand man Hinweise auf dessen bevorstehendes Treffen mit einem mysteriösen Schweizer. Victor soll nun in die Rolle des Getöteten schlüpfen und herausfinden, um was für einen Job es dabei gehen sollte. Nach Rom beordert, trifft Victor dort auf eine ganze Gruppe von Killern, die offensichtlich auf einen spektakulären Einsatz vorbereitet wird. Niemand darf erfahren, dass Victor für die CIA arbeitet – doch das ist nicht sein einziges Problem. Als er herausfindet, was in Rom geplant wird, läuft es selbst ihm eiskalt den Rücken hinunter …

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Das Interview mit Leo Strohm

krimi-tick.de: Wie und wann entstand bei Ihnen die Idee die Übersetzung „Blood Target“ von Tom Wood zu machen?

Leo Strohm

Leo Strohm

Leo Strohm: Die Idee ist gar nicht bei mir, sondern beim Goldmann-Verlag entstanden. Das ist auch der übliche Weg. Die Verlage kaufen beispielsweise auf der Frankfurter Buchmesse die Rechte an bestimmten Buchtiteln ein, für die sie im deutschsprachigen Markt Chancen sehen. Anschließend beauftragen sie einen Übersetzer/eine Übersetzerin mit der Übersetzung. Da ich schon öfter mit Goldmann zusammengearbeitet hatte und ein wenig auf Thriller und Krimis spezialisiert bin, wurde ich gefragt, ob ich Lust und Zeit dafür habe, und habe zugesagt. Das es so eine spannende Geschichte sein würde, die mir selbst unheimlich viel Spaß gemacht hat, habe ich zu dem Zeitpunkt noch gar nicht gewusst.

krimi-tick.de: Wie kommen Sie dazu als Übersetzer hinter den Kulissen zu arbeiten?

Leo Strohm: Ich bin ein Quereinsteiger. Nach meinem Theologiestudium (unter anderem in Schottland) habe ich erst alle möglichen Jobs gemacht, bevor ich die Gelegenheit bekommen habe, für einen Verlag in Hamburg als Korrektor und später als Lektor zu arbeiten. Und dann hat sich nach und nach immer wieder eine andere Tür geöffnet, bis ich irgendwann dachte: Probier’s doch mal mit Übersetzen. Das ist jetzt zwanzig Jahre her, und die Arbeit macht mir immer noch enorm viel Spaß. Ich genieße es, selbständig und allein verantwortlich einen Text zu übersetzen, und lerne eigentlich jeden Tag etwas dazu.

krimi-tick.de: Wie ist Ihre Vorgehensweise, wenn Sie eine Übersetzung neu in Ihr Programm aufnehmen?

Leo Strohm: Normalerweise bekomme ich, nachdem ich für eine Übersetzung zugesagt habe, vom Verlag das englischsprachige Original zugeschickt – entweder als fertiges Buch, als Ausdruck oder als PDF. Dann lese ich mir das Original einmal durch, um die Handlung und die Personen kennenzulernen. Dadurch fällt die Übersetzung anschließend erheblich leichter. Zweiter Arbeitsschritt ist die Rohübersetzung vom Englischen ins Deutsche. Die drucke ich, wenn sie fertig ist, aus und gehe den ganzen Text noch einmal gründlich durch, korrigiere, ergänze, arbeite offene Fragen ab. Anschließend übernehme ich die Korrekturen in meine Rohübersetzung und lese mir dabei den ganzen Text noch einmal durch.

krimi-tick.de: Wie sieht Ihr persönlicher Tagesablauf als Übersetzer aus?

Leo Strohm: Ich sitze meistens um 8.00 Uhr am Schreibtisch und arbeite bis ca. 13.00 Uhr. Nach dem Mittagessen – in der Regel zusammen mit meiner Frau, die als Autorin hauptsächlich Kinder- und Jugendbücher schreibt, und unseren beiden schulpflichtigen Kindern – geht es weiter, bis ich mein Tagespensum geschafft habe. Das bedeutet, dass ich mir am Anfang jedes neuen Auftrages ausrechne, wie viele Seiten ich pro Tag schaffen muss, um den vertraglich festgesetzten Abgabetermin einzuhalten.

krimi-tick.de: Welche Übersetzungen würden Sie gerne einmal machen und warum?

Leo Strohm: Ian Rankin würde ich sehr gerne einmal übersetzen, einfach, weil ich selbst in Edinburgh gelebt habe. Fast in jedem seiner Romane kommen Gegenden und Straßen vor, die ich noch aus dieser Zeit kenne. John Grisham. Michael Connelly. Und Tom Sharpe. Ich liebe seine brachiale, durch und durch britische Komik. Außerdem habe ich ein Faible für US-amerikanische Romanciers wie Tom Wolfe, Jonathan Frantzen oder T.C. Boyle. Das sind großartige Erzähler mit einem fantastischen Gespür für das pralle menschliche Leben, liebevoll, humorvoll und immer auf der Grenze zur Tragik. Wenn da mal ein Angebot käme, ich würde sofort zugreifen.

krimi-tick.de: Was lesen Sie gerade?

Leo Strohm: Uwe Timm: Der Freund und der Fremde Jonathan Wilson: Inverting the Pyramid. A History of Football Tactics Das KICKER-Sonderheft zur Fußball-WM 2014.

krimi-tick.de: Gibt es etwas, was Ihnen schwer fällt zu übersetzen, oder was bei Ihnen überhaupt gar keine Chance hätte es von Ihnen übersetzt zu werden?

Leo Strohm: Davon gibt es eine Menge. Lyrik, zum Beispiel, traue ich mir überhaupt nicht zu. Mit Horror-, Science Fiction- oder Fantasy-Geschichten kann ich persönlich nichts anfangen, darum lasse ich davon die Finger. Historische Romane sind auch nicht so mein Fall, genau so wenig wie reine Liebesgeschichten. Ehrlich gesagt, im Krimi- und Thriller-Genre fühle ich mich jetzt schon lange sehr wohl, und ich hoffe, dass das auch noch lange so bleibt.

Autor: cm | krimi-tick.de

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