krimi-tick.de

Kollegen im Fokus: Das Interview mit Michael-André Werner, dem Vorsitzenden des Vereins Kreatives Schreiben e.V.

Mai 12, 14 • Kollegen im FokusNo CommentsRead More »
FacebookLinkedInTwitterGoogle+PinterestEmpfehlen

Der Verein Kreatives Schreiben e.V. , der 1989 gegründet wurde, veranstaltet auch in diesem Jahr 2014 wieder Schreibwerkstätten für Jugendliche. Dabei werden Schreibthemen jugendgerecht aufbereitet und in kleinen Gruppen gemeinsam mit erwachsenen Werkstattleitern aus dem professionellen Literaturbetrieb bearbeitet. Ein großer Teil der Arbeit geschieht zwar ehrenamtlich,jedoch ist der Verein weiterhin auf Spenden angewiesen.

Verein Kreatives Schreiben e.V.

Verein Kreatives Schreiben e.V.

Der »Workshop Schreiben« wurde 1977 von Heinz Blumensath und Gundel Mattenklott erdacht. Er war eine der ersten Versuche, aktive literarische Arbeit in die Schulen zu bringen. Die Idee war, herauszufinden, ob und wie viele Jugendliche literarisch schreiben und wie diese Literatur aussehen könnte.

Im Laufe der Jahre entwickelte sich der West-Berliner »Workshop Schreiben« zur einer bundesweiten Werkstatt, wo literarisch tätige Jugendliche ab 14 die Gelegenheit haben, die unterschiedlichsten literarischen Ideen kennenzulernen und auszuprobieren, jenseits von allem Zensurendruck. 1989 wurde der Verein Kreatives Schreiben e.V. (damals noch als „Schreiblust e.V.“) von einigen Werkstatt-Leitern und-Teilnehmern gegründet, nachdem die Berliner Schulverwaltung den Workshop Schreiben nicht mehr fortführte. Der Verein organisiert unter anderem seit 1990 den Workshop Schreiben, der 2001 in »Schreibwerkstatt Berlin« umbenannt wurde. Außerdem dient er vor allem dazu, als freier Träger ein juristisches Organ für Verhandlungen mit Behörden, Stiftungen und Sponsoren zu sein. Dies hat sich angesichts der heutigen finanziellen Lage im Kulturbereich nicht geändert.

Bevor Sie das Interview anschauen, laden wir Sie herzlich ein, sich die Bilderstrecke anzuschauen, deren Fotos während der Arbeit im Verein entstanden sind.

 

 

Michael-André Werner | Kreatives Schreiben e.V.

Michael-André Werner | Kreatives Schreiben e.V.

Das Interview mit Michael-André Werner

krimi-tick.de: Wie und wann entstand bei Ihnen die Idee, eine Schreibwerkstatt zu gründen und einen Verein zu betreiben?

Michael-André Werner: Die Schreibwerkstatt ist älter als der Verein. Erfunden wurde sie Ende der 1970er Jahre in Berlin von Heinz Blumensath und betrieben und finanziert von der (West-)Berliner Schulverwaltung. Die Idee war, herauszufinden, ob und wie Berliner Schülerinnen und Schüler literarisch tätig sind. Als die finanzielle Unterstützung nach und nach zurückgefahren wurde, gründeten 1989 einige Lehrerinnen und Lehrer, die die Schreibwerkstatt über Jahre begleitet hatten, den Verein – eben, um diese Werkstatt am Leben zu halten.

krimi-tick.de: Warum wollen Sie eine Schreibwerkstatt anbieten?

Michael-André Werner: Weil es nötig ist. Weil schreibende Kinder und Jugendliche solche Werkstätten brauchen. So wie ja auch musikalische Jugendliche Musikschulen brauchen und sporttreibende Jugendliche Sportvereine.

krimi-tick.de: Wie ist Ihre Vorgehensweise, wenn Sie einen Kurs neu in Ihr Programm aufnehmen und anbieten wollen?

Michael-André Werner: Da wir schon seit vielen Jahren Werkstätten machen, gibt es eine gewisse Routine, was die Organisation betrifft. Wichtig sind die inhaltlichen Ideen, unsere Sommerwerkstätten stehen unter bestimmten Themen. Im letzten Jahr war das „Druck“, 2014 ist es „Spiel“, im Herbst bieten wir eine politisch-literarische Werkstatt zum Thema „Wahrheit“ an. Steht das Thema fest, gibt es Teamtreffen, an denen alle Kolleginnen und Kollegen teilnehmen, die bei der Werkstatt dabei sind, die also inhaltlich interessiert und kompetent sind und zum Werkstatttermin Zeit haben. Da werden dann die geplanten Arbeitsgruppen und andere organisatorische Dinge besprochen.

krimi-tick.de: Wie sieht Ihr persönlicher Tagesablauf als Anbieter einer Schreibwerkstatt aus?

Michael-André Werner: Während der Werkstatt oder außerhalb? Außerhalb ganz normal: morgens aufstehen, arbeiten, Mails schreiben, telefonieren. Beruflich bin ich Schriftsteller, ich schreibe also immer an einer Geschichte oder einem Roman, abends habe ich machmal Auftritte und Lesungen. Während der Werkstatt: früh aufstehen, Morgenplenum, Arbeitsgruppe, Mittagspause, Teambesprechung, Mittagsplenum, Arbeitsgruppe, Abendessen, Abendplenum, Arbeitsgruppen (oder eine anderes Abendprogramm, je nach Werkstatt), schlafen gehen. Und das ganze vier Tage lang. Oder dreieinhalb, denn am letzten Tag gibt es ja die Abschlusslesung, die geplant und moderiert werden will.

krimi-tick.de: Welche Kurse würde Sie gerne einmal anbieten und warum?

Michael-André Werner: Langfristige Kurse, regelmäßige Treffen. Im Moment können wir aus personellen und finanziellen Gründen nur Werkstätten anbieten, die zwei bis fünf Tage lang gehen. Wichtig wären aber Kurse, wo sich die Jugendlichen regelmäßig treffen, scheiben und austauschen können. Sportler trainieren ja auch nicht nur ein- oder zweimal im Jahr.

krimi-tick.de: Welche Themen würden Sie gerne vermehrt anbieten? Warum?

Michael-André Werner: Gesellschaftlich wichtige Themen, damit die Teilnehmerinnen und Teilnehmer merken, dass sie nicht im luftleeren Raum schreiben oder für sich selbst. Mit unserer Werkstatt „Die Wahrheit“, die wir im Herbst 2014 anbieten, wollen wir in diese Richtung gehen. Wir erkunden den Begriff Wahrheit nicht nur in der Literatur, sondern auch in Politik, Medien und Werbung. Die Jugendlichen sollen merken, wie Sprache gebraucht, missbraucht, genutzt und benutzt werden kann. Dadurch, dass sie aktiv mit der Sprache umgehen, können sie auch hinter die sprachlichen Kulissen von Werbung und PR schauen.

krimi-tick.de: Was lesen Sie gerade?

Michael-André Werner: Ich lese gerade drei Bücher gleichzeitig – oder besser gesagt, nebeneinander: Den (gerade erschienenen) Roman „Hipster wird’s nicht“ von meinem Lesebühnen-Kollegen Uli Hannemann, den neuen Romans meiner Kollegin Kirsten Fuchs, der im nächsten Jahr erscheint (also das Manuskript natürlich) und Erzählungen von Bram Stoker.

krimi-tick.de: Gibt es etwas, was Ihnen schwer fällt anzubieten oder was bei Ihnen überhaupt gar keine Chance hätte, von Ihnen angeboten zu werden?

Michael-André Werner: Da wir Schreibwerkstätten für Kinder und Jugendliche anbieten, können wir keine Werkstätten durchführen, wo die Teilnahme mehrere hundert Euro kostet. Wir versuchen, für unsere Werkstätten finanzielle Förderung und Unterstützung zu bekommen. Wenn das nicht klappt und die Werkstätten dadurch für die Jugendlichen zu teuer würden, müssen wir es lassen. Inhaltlich gibt es erst einmal keine Hindernisse.

krimi-tick.de: Bieten Sie auch webbasierte Kurse an?

Michael-André Werner: Nein. Ich weiß nicht, ob es genug Schreibwerkstätten im Internet gibt oder nicht und auch nicht, ob diese nötig sind oder nicht. Aber am frappierendsten und wichtigsten an unseren Werkstätten finde ich immer wieder, dass die Jugendlichen in der realen Welt zusammenkommen, zusammen schreiben, zusammen diskutieren und zusammen lesen. Aber wenn uns irgendwann einmal etwas einfällt, was man wirklich nur im Netz machen kann, bieten wir es vielleicht auch an.

Weiterführende Infos

schreibwerkstatt-berlin,de: Förderer und Spenden
http://schreibwerkstatt-berlin.de/v_index.htm >>
 
schreibwerkstatt-berlin.de: Vereinshomepage des Vereins Kreatives Schreiben e.V.
http://schreibwerkstatt-berlin.de/ >>
 
facebook.com: Profilpage des Vereins Kreatives Schreiben e.V.
https://www.facebook.com/pages/Kreatives-Schreiben-eV/136156463071550 >>
 
Autor: cm | krimi-tick.de

Tags:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

dreizehn − 6 =