krimi-tick.de

Ein Psycho-Thriller der Extraklasse: „Der Himmel über London“ von Håkan Nesser

Mai 11, 14 • ThrillerNo CommentsRead More »
FacebookLinkedInTwitterGoogle+PinterestEmpfehlen

Einen Psychothriller wahrhaft epischen Ausmaßes erwartet den Leser in Nessers „Der Himmel über London“. Souverän erzählt, spannend verschachtelt und mit großem Einfühlungsvermögen leistet Håkan Nesser hier großes.

"Paul Mundthal" / www.jugendfotos.de

„Paul Mundthal“ / www.jugendfotos.de

Über dieses Buch

Sie erreichen London um 16.50 Uhr an der Paddington Station. Der fast 70jährige Leonard Vernim und seine amerikanische Lebensgefährtin Maud. Leonard ist schwerkrank – und Maud ist besorgt. Und zwar mehr, als es die Lage sowieso schon erfordern würde. Irgend etwas Geheimnisvolles geht vor sich, irgendetwas verschweigt ihr Leonard. Ein großes, wahrscheinlich letztes Geburtstagsfest hat er geplant. Auch ihre beiden Kinder aus erster Ehe sind eingeladen – die neurotische Irina, der ständig an Geldmangel leidende Gregorius. Sowie zwei mysteriöse Gäste, deren Namen sie nicht kennt. Gleichzeitig geht ein Serienmörder in der Stadt um – es braut sich etwas zusammen unter dem Himmel von London.

Eine Meinung zum Buch „Der Himmel über London“

Der Titel und das Cover des Bucheinbandes „Der Himmel über London“ findet sich inhaltlich kurz vor der Mitte des Buches wieder. Ein Blick unter den Buchdeckel unter dem Einband lässt einen zuerst an einen Fehldruck denken: Bekenntnisse eines Schlafwandlers vom Autor Steven G. Russel wird dort genannt – aber auch das klärt sich nach ungefähr 3/4 des insgesamt 572-seitigen Buches auf.

Um eines klar zu machen: Es erwartet einen keine actionreiche, turbulente Handlung a-la CSY. Wer Verfolgungsjagden durch Londons Straßen erwartet ist hier fehl am Platze! Håkan Nesser betätigt sich in diesem Buch als psychologischer Chirurg: Mit empathischer Präzision und großer Akkuratesse wird das Innere nach Außen gekehrt. Durch kunstvoll drapierte Sprache und ausführliche Schilderungen wird der Leser mitgenommen in die Gedankenwelt und die Köpfe der Akteure.

Der 70-jährige und schwerkranke Protagonist des Buches, Leonard Vernim, sieht den Tod vor sich und plant sein selbstbestimmtes Ende. Dazu werden die Wegbegleiter zu einem letzten Event nach London eingeladen. Geld ist nicht das Problem, das wird schnell klar, weil sowohl Anreise, als auch gehobene Unterkunft der Gäste von Leonard übernommen werden.

Nichts ist einfach – alles ist psychologisch extrem kompliziert. Darauf deutet das Verhältnis Leonards zu seiner Lebensgefährtin Maud hin. Maud ist die Psychotherapeutin von Leonard, die – so scheint es – sich ihren Patienten mit in ihr privates Leben geholt hat. Natürlich ist das auch eine eigene Geschichte, die sich im Buch wiederfindet. Zum Beispiel in Form der beiden Kinder von Maud, die – auch das ist klar – nicht von Leonard sind. Die Geschwister schmieden Pläne, um an das Geld von Leonard zu kommen. Aber auch hier wieder ist das noch längst nicht alles: Irina, die Tochter von Maud, hat eine interessante Zwangsneurose und ein tief gespaltenes Verhältnis zu Maud.

Allen Personen gemeinsam ist ihre ganz persönliche Begegnung mit dem Uhrenmörder, der in der Gegenwartshandlung in London sein Unwesen treibt. Natürlich hat auch der seine Eigenheit: er bindet seinen Opfern im Zeitpunkt ihres Todes eine billige Armbanduhr um das Handgelenk. Das Uhrwerk ist stehengeblieben und zeigt den Zeitpunkt ihres Todes. Das wiederum ist ein „Schlag ins Kontor“ für die Therapeutin Maud, der als Therapeutin überhaupt gar nichts zu den Motiven des Serienmörders einfällt.

In der Mitte des Buches schlägt im wahrsten Sinne des Wortes der Blitz ein: Beschrieben wird ein infernalisches Gewitter über London, bei dem sich ein Blitz apokalyptischen Ausmaßes bildet, der sich mit der Urkraft in der Kirche St. Matthews entlädt. Dabei zerspringt – unvorstellbar eigentlich – die gut 900 Pfund schwere Kirchenglocke und verursacht dabei einen derart lauten Glockenton, dass zwei Krähen tot vom Baum fallen und ein stocktauber Mann von dem Urklang aufwacht.

Nein, das ist noch längst nicht alles! Das Buch wartet mit einer in der Vergangenheit spielenden Spionagegeschichte auf: Das gelbe Notizbuch. Der sterbende Leonard beschreibt darin seine gefährliche Vergangenheit als Spion. Diese zeitliche Rückblende führt eine weitere für Leonard wichtige Person in die Handlung ein und beschreibt seine ungewöhnliche Beziehung zu Carla.

Das Buch ist ein hochspannender, psychologisch sehr feinfühlig und ausführlich erzählter Psychothriller des schwedischen Autors Håkan Nesser. Ein wahres Lesevergnügen, mit atmosphärisch dichter Sprache und einem wahren Psychoknäuel an Geschichten. Ein echtes langlebiges Lesevergnügen und für den Autor wahrlich Schwerstarbeit.

Kaufempfehlung

Weiterführende Infos

hakan-nesser.de: Die Website des Autors
http://www.hakan-nesser.de/index.php >>
 
lesenist.com: Himmel über London – eine Rezension
http://www.lesenist.com/himmel-ueber-london-hakan-nesser/ >>
 
rezensions-seite.de: Souverän erzählt und spannend verschachtelt
http://www.rezensions-seite.de/rezensionen/belletristik/hakan-nesser-himmel-%C3%BCber-london/ >>
 
perlentaucher.de: Der Himmel über London
http://www.perlentaucher.de/buch/hakan-nesser/himmel-ueber-london.html >>
 
Autor: cm | krimi-tick.de

Tags:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

fünfzehn − 3 =