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Autoren im Fokus: Das Interview mit Daniel Holbe, dem Autor des Regionalkrimis aus dem Wetteraukreis „Giftspur“

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Der Autor Daniel Holbe hat mit seinem Buch „Giftspur“ direkt aus dem Leben gegriffen und einen Regionalkrimi aus dem Wetteraukreis gemacht. Die Idee zu seinem Krimi entstand im Supermarkt. Eingetaucht in die Welt des Krimi-Schreibens ist er hingegen mit „Todesmelodie“, das er nach dem plötzlichen Tod von Andreas Franz übernommen und vollendet hat. Für uns in jedem Fall ein Grund genauer hinzusehen und ein Interview mit ihm zu machen.

Jorma Bork  / pixelio.de

Jorma Bork / pixelio.de

Über das Buch „Giftspur“

Im Mittelpunkt steht die Kommissarin Sabine Kaufmann, die an der Seite von Julia Durant in Frankfurt ermittelte und sich von dort nach Bad Vilbel hat versetzen lassen, um sich um ihre psychisch kranke Mutter besser kümmern zu können. Ihr erster Fall in der „Provinz“ konfrontiert sie nicht nur mit ihrem Kollegen Ralph Angersbach, sondern auch mit einem Täter, der auf perfide Weise mordet: Ulf Reitmeyer, Leiter eines großen Biobetriebser in der Wetterau, bricht auf offener Straße zusammen. Zunächst deutet alles auf einen plötzlichen Herzstillstand hin. Doch dann taucht eine zweite Leiche auf, Malte Kötting, der seit dem Wochenende nicht mehr gesehen wurde. Nun, seit drei Tagen tot, findet man ihn in seiner Wohnung. Trotz Verwesung ist auch hier keine unnatürliche Todesursache ersichtlich und auch ihm kann eine offenbar gesunde Natur bescheinigt werden. Außerdem war er Angestellter in Reitmeyers Betrieb, Grund genug also, um die Rechtsmedizin aufhorchen zu lassen. Eine breitgefächerte Blutanalyse bringt es dann doch zutage: eine tödliche Dosis eines seltenen Pflanzengiftes ist die Todesursache. Und das sowohl bei Kötting, als auch bei seinem Chef Reitmeyer.

Das Interview mit Daniel Holbe

Daniel Holbe | aufgenommen von Julia Holbe

Daniel Holbe | aufgenommen von Julia Holbe

krimi-tick.de: Wie und wann entstand Ihre Idee zu Ihrem Buch „Giftspur“?

Daniel Holbe: Vorab: Ich hatte ja eine Krimi-Idee im Schreibtisch. Samt Kommissaren, Mörder, Motiv und Gelegenheit. Aber erstens kommt es anders … und zwar folgendermaßen:
Ich stand in einem großen Einkaufscenter und hielt eine Packung Kefir in der Hand. Aus dem Deckel blubberte es. Ich war alarmiert. Gift. Erpressung. Zeter und Mordio! Vier weitere Deckel schienen angepiekst zu sein (mittlerweile weiß ich, dass es sich um einen Transportschaden handelte). Ich eilte nach draußen und rief meine Agentur an. „Da müssen wir was draus machen!“ – darüber waren wir uns sofort einig. Der eigentliche Plot entwickelte sich dann rundherum.
Aus der ursprünglichen Idee entnahm ich eine Menge Personal und Material – aber es ist auch noch übrig für Nachschub.

krimi-tick.de: Warum schreiben Sie ausgerechnet Krimis?

Daniel Holbe: Weil ich sie gerne lese. So bin ich einst zum Schreiben gekommen – damals war es der kirchenhistorische Stoff á la Dan Brown, der mich fesselte. Zum Krimi zog es mich danach. Ich lebe nunmal in einer Gegend, wo es schwer fällt, keine Krimi-Ideen zu entwickeln.

krimi-tick.de: Wie ist Ihre Vorgehensweise, bevor überhaupt das erste geschriebene Wort des gerade neu begonnenen Manuskriptes sichtbar ist?

Daniel Holbe: Meine Frau deutet auf eine geheimnisvolle Stelle und sagt „Hier könnte man auch gut eine Leiche verstecken“. Ich frage „Ja, aber warum?“. Wenn mir dann binnen Minuten eine plausible Geschichte einfällt, speichere ich diese auf Papier, Voicerecorder o.ä. Doch das große Gesamtbild entwickelt sich (siehe Frage 1) manchmal auch ganz zufällig. Ich bediene mich immer realen Begebenheiten. In den Andreas-Franz-Nachfolgebänden sind es mehr die realen Fälle und bei GIFTSPUR sind es die personellen Verstrickungen. Irgendwann kristallisiert sich eine Geschichte, die verfasse ich in Kurzform (=Exposee) und schaue mit Verlag, Lektorat, Agentur und Ehefrau (ganz wichtig) darüber. Taugt es etwas, geht die Arbeit los. Fahrplan. Was muß wann geschehen. Zeitablauf. So entwickelt sich – manchmal wie ein Zeitstrahl, manchmal wie ein tentakelumwuchertes Mindmap – die Geschichte mit all ihren Verstrickungen. Das Leben, die Atmosphäre, der Klang – das kommt dann beim Schreiben selbst. Ich bekomme eine Szene für den Prolog in den Kopf – und mit der lege ich los.

krimi-tick.de: Wie sieht Ihr gewöhnlicher Tagesablauf beim Schreiben aus?

Daniel Holbe: An und für sich wie ein normaler Arbeitstag. Ich verlasse das Haus (wenn auch nur für zwei Schritte) und suche mein Büro auf. Kein Telefon, Internet nur notwendigerweise, aber ein breiter Monitor, auf dem Recherche, Notizen und Schreibfenster gleichzeitig Platz haben. Da ich ja (in der Regel…) weiß, was zu geschehen hat, schreibe ich schubweise. Manchmal fließt es, manchmal hängt es. Irgendwann mache ich ein Mittagspäuschen, danach geht es weiter. Oder aber, ich schreibe extern. Je nachdem, ob es Recherchetermine, Besuche, Telefonate, Treffen, Bibliotheksbesuche usw. gibt, geht es raus ins soziale Leben – auch nicht zu unterschätzen! Tagein, tagaus im stillen Kämmerlein morbiden Gedanken nachhängen KANN ja schließlich nicht gesund sein. Und die moderne Technik macht’s möglich, dass ich mitten in Frankfurt oder im einsamen Wald sitzen und tippen kann. Das ist ungemein befreiend. Am Ende eines Tages sollten im Schnitt 5 Seiten stehen, und zwar völlig unabhängig davon, ob man auf dem Weg dorthin fünfmal so viel getippt und geschreddert hat. Frustrierende Blockaden habe ich selten und wenn, dann hilft eine Stunde Laufen. Mit Diktiergerät. Sicherheitshalber. Da kann es schonmal passieren, dass ich bis 13 Uhr nichts zustande bringe, bis 15 Uhr draußen bin und im Anschluß binnen einer halben Stunde eine super Szene in den Kasten bekomme.

krimi-tick.de: Welche/n Schriftsteller/in würden Sie gerne einmal treffen und was würden Sie ihn/sie fragen?

Daniel Holbe: Ich hätte ja gerne mal Mark Twain gesprochen, um zu sehen, ob er wirklich so war, wie er heute wahrgenommen wird. Wahrscheinlich schon. Ein Grund mehr, ihn zu treffen. Ich möchte der Frage nicht ausweichen, aber „den einen“ lebenden Schriftsteller gibt es da nicht auf meiner Wunschliste.

krimi-tick.de: Was lesen Sie gerade?

Daniel Holbe: DIE HYÄNE. Ich bin gerade mitten im Finale. Da lese ich wenn überhaupt nur im eigenen Text. Doch Inferno von Dan Brown wartet geduldig auf mich. Seit fast einem Jahr…

krimi-tick.de: Gibt es etwas was Ihnen schwer fällt zu schreiben, oder etwas was Sie gar nicht schreiben würden?

Daniel Holbe: Ich tat mich schwer, die unverblümte Gewalt, auch sexueller Natur, zu (be)schreiben. Als Leser ist das etwas total anderes, das hätte ich nie gedacht. Aber der Lesende hat einen Vorteil: Einmal schnell drüber und fertig. Als Autor bügele ich wieder und wieder die gleiche Stelle. Streiche, formuliere um. Habe Bilder im Kopf. Aber genau diese krassen Dinge, vor allem, weil sie Bestandteil unserer Gesellschaft sind, zeichneten die Julia-Durant-Bände unter anderem aus. Ich tue mich noch immer schwer damit. Aber gerade im neuen Fall ist es wieder von elementarer Bedeutung, diese Situationen zu realisieren. Auch im Kopf des Lesers. Beantwortet das die Frage, oder ging es um etwas ganz anderes? Um ein Genre vielleicht, das ich mir schwer vorstelle? Dann ist es ganz schnell beantwortet. Kinderbücher. Das könnte ich mir gerade überhaupt nicht vorstellen. Vielleicht auch, weil es so viele KollegInnen gibt, die einen super Job machen. Besser, als ich es könnte. Also lasse ich es vorerst und beschränke mich aufs Vorlesen.

Weiterführende Infos

daniel-holbe.de: Die Website des Autors Daniel Holbe
http://www.daniel-holbe.de/ >>
 
de.wikipedia.org: Daniel Holbe
http://de.wikipedia.org/wiki/Daniel_Holbe >>
 
facebook.com: Der Autor Daniel Holbe mit seiner Profilpage auf Facebook
https://www.facebook.com/AutorDanielHolbe >>
 
Autor: cm | krimi-tick.de

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