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Ein Öko-Thriller der spannend ist und Stellung bezieht: „Gabbro – geboren in der Tiefe“ von Joja Schott

Apr 12, 14 • ThrillerNo CommentsRead More »
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In Joja Schotts‘ „Gabbro – geboren in der Tiefe“ prallen zwei konträre Wertewelten aufeinander: Zum Einen das abgeschottet lebende Volk der Saudeleur und zum Anderen, im krassen Gegensatz dazu, stehen diesem Paradies die gewinnmaximierten, effizient funktionierenden Industrienationen gegenüber. Ein Öko-Thriller der besonderen Art, der den Spagat schafft: Einerseits mit einem spannenden Plot versehen kommt es jedoch auch als leidenschaftlicher Appell daher.

Über dieses Buch

"Larissa Ziegenbein" / www.jugendfotos.de

„Larissa Ziegenbein“ / www.jugendfotos.de

Jochen Elbers ist seinem Leben in Deutschland entflohen und auf der mikronesische Insel Toupeka gestrandet. Er gerät in den Zwiespalt zwi-schen der Urbevölkerung, den Saudeleur, und den wirtschaftlichen Interessen der dort tätigen Firma, die im Auftrag eines Hamburger Bankenkonsortiums arbeitet.

Der Lebensraum der Saudeleur wird zunehmend durch die Vergiftung der umliegenden Gewässer bedroht. Das verantwortungslose Wirken auf der Insel Toupeka gegenüber der Verschmutzung der Ozeane wird zum Aufhänger einer Umweltbewegung. Es entwickelt sich eine oppositionelle Bewegung zur industriellen Ignoranz gegenüber den natürlichen Kreisläufen, die nicht nur der Weltbevölkerung neue Wege eröffnet, sondern auch den Saudeleur.

Eine Meinung zum Buch

In Joja Schotts‘ „Gabbro – geboren in der Tiefe“ prallen zwei konträre Wertewelten aufeinander:

Zum Einen das abgeschottet lebende Volk der Saudeleur, die auf der Insel Toupeka in den Vereinigten Staaten von Mikronesien im Nordpazifik leben. Aufgrund ihrer über Generationen quasi mit der Muttermilch weitergegebenen Werteprägnanz leben die Saudeleur in einem von Klippen umsäumten Lebensraum und pflegen dabei ihre extreme naturerhaltende Lebensweise: Es wird nicht mehr genutzt, als gebraucht wird. Durch diese über Generationen etablierte symbiotische Lebensweise entwickelt sich eine Wertekonstanz, es hat sich im wahrsten Sinne des Wortes ein Eiland gebildet, das der idealtypischen Vorstellung des Paradieses sehr nahe kommt.

Zum Anderen, im krassen Gegensatz dazu, stehen diesem Paradies die gewinnmaximierten, effizient funktionierenden Industrienationen gegenüber, die scheinbar ohne Rücksicht auf Verluste ihre Ziele verfolgen und sich jedweden Lebensraum Untertan machen.

Der Protagonist des Buches, Joel mit Spitznamen, gerät zwischen die Fronten und wird anfänglich zum Spielball der gegensätzlichen Interessen, bevor er Position bezieht und sich auf die Seite der Saudeleur schlägt.

Er erlebt in Deutschland eine Politikverdrossenheit und Ignoranz gegenüber einer Umweltverantwortung und naturfokussiertem Handlungsbewusstsein. Frustriert vom allgemeinen sinnlosen Gelabere und gefangen in Lebenszusammenhängen erlangt er Selbstzufriedenheit und persönliche Freiheit, als er sich auf Reisen begibt und 2 Jahre lang als Matrose und „Mädchen für Alles“ auf verschiedenen Frachtern tätig ist. Er bezeichnet sich selbst als sprachbegabten Landstreicher, ohne Rechte zwischen den Welten. Zuletzt befindet er sich als Tischler an Bord eines Frachtschiffes, das unterwegs ist nach Toupeka in Mirkonesien – direkt ins Herz des Buchgeschehens. Gleich nach der Ankunft gerät er mit dem Werksschutz eines dort tätigen Industriebetriebes aneinander, der im Auftrag eines Bankenkonsortiums die dortigen Lebensräume ausbeutet und die Abhängigkeiten der Bewohner Toupekas ausnutzt.

Es entwickelt sich daraus eine turbulente Handlung, die im Verlauf der Geschichte zielstrebig auf die Katastrophe zusteuert. Lokal ansässige Betriebe haben eine größere Menge an Abfall unbekannter Zusammensetzung produziert, der auf Schiffe verladen auf hohe See transportiert wird, um dann zielstrebig in den Nord Pazifik verklappt zu werden. Es kommt zu einem Umwelt-Gau mit einem großen Fischsterben, der die Lebensgrundlage der lokal ansässigen Saudeleur vernichtet. Jedoch bleibt das große Fischsterben nicht lokal begrenzt, sondern breitet sich schnell auf die Anrainerstaaten des riesigen nordpazifischen Raumes aus. Die Ursachen bleiben unklar, führen jedoch zu einer radikalen Änderung der lokalen Lebensweisen.

Das edel gebundene Buch kommt als leidenschaftliches Plädoyer gegen den maßlosen industriellen Raubbau daher. Der Plot der Handlung ist als Öko-Thriller angelegt und mit sehr plastisch geschilderten Protagonisten ausgestattet. Das Buch macht auch vor der Schilderung lokaler, eingeborener Interessengegensätze nicht halt. Durch die Erzählweise wird der Leser schnell mit einbezogen und hat keine andere Möglichkeit, als ebenfalls Stellung zu beziehen (das Geschehen kann man gar nicht gut finden) und das Buch bis zum Ende zu lesen. Der Spannungsbogen ist durchsetzt von idyllisch geschilderten Momenten, die durch die exotische Lage des Ortes des Geschehens an zusätzlichem Reiz gewinnt und eine Inselsehnsucht aufkeimen lassen.

Das Buch ist ein spannender Öko-Thriller, das als Plädoyer für einen bewusst schonenden Umgang mit den herrlichen natürlichen Ressourcen verstanden werden kann. Nicht zuletzt hinterlässt es nach der letzten Seite zwar kein Happyend, jedoch immerhin einen optimistischen Nachklang.

Kaufempfehlung

Weiterführende Infos

weser-kurier.de: Zwei Leben eines Lilienthalers
http://www.weser-kurier.de/region/osterholz_artikel,-Zwei-Leben-eines-Lilienthalers-_arid,827119.html >>
 
facebook.com: Die Profilseite des Autors Joja Schott
https://www.facebook.com/Joja.Schott?fref=ts >>
 
Autor: cm | krimi-tick.de

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