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Ein Regionalkrimi aus dem Wetterau-Kreis: „Giftspur“ von Daniel Holbe

Mrz 15, 14 • Krimi1 CommentRead More »
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Krimis aus Hessen haben eine lange Tradition. Neben seinen Erfolgen als Co-Autor des verstorbenen Andreas Franz und seiner Kultserie um die Frankfurter Kommissarin Julia Durant ist mit „Giftspur“ dieser Tage Daniel Holbes erster eigener Kriminalroman erschienen. Schauplatz ist Bad Vilbel im hessischen Wetteraukreis, in dem 2 Menschen anscheinend eines natürlichen Todes sterben und sich erst spät herausstellt, das es sich hierbei im Giftmorde handelt.

"Tobias Mittmann" / www.jugendfotos.de

„Tobias Mittmann“ / www.jugendfotos.de

Über dieses Buch

Im Mittelpunkt steht die Kommissarin Sabine Kaufmann, die an der Seite von Julia Durant in Frankfurt ermittelte und sich von dort nach Bad Vilbel hat versetzen lassen, um sich um ihre psychisch kranke Mutter besser kümmern zu können. Ihr erster Fall in der „Provinz“ konfrontiert sie nicht nur mit ihrem Kollegen Ralph Angersbach, sondern auch mit einem Täter, der auf perfide Weise mordet: Ulf Reitmeyer, Leiter eines großen Biobetriebser in der Wetterau, bricht auf offener Straße zusammen. Zunächst deutet alles auf einen plötzlichen Herzstillstand hin. Doch dann taucht eine zweite Leiche auf, Malte Kötting, der seit dem Wochenende nicht mehr gesehen wurde. Nun, seit drei Tagen tot, findet man ihn in seiner Wohnung. Trotz Verwesung ist auch hier keine unnatürliche Todesursache ersichtlich und auch ihm kann eine offenbar gesunde Natur bescheinigt werden. Außerdem war er Angestellter in Reitmeyers Betrieb, Grund genug also, um die Rechtsmedizin aufhorchen zu lassen. Eine breitgefächerte Blutanalyse bringt es dann doch zutage: eine tödliche Dosis eines seltenen Pflanzengiftes ist die Todesursache. Und das sowohl bei Kötting, als auch bei seinem Chef Reitmeyer.

Eine Meinung zum Buch

Der Einstieg ins Buch ist gelungen: Die Protagonistin Sabine Kaufmann, Kriminalkommissarin, erlebt eine Achterbahn der Gefühle: sie erscheint bedroht, schwitzt Blut und Wasser bevor erst später klar wird, das sie sich am Steuer eines Segelflugzeuges befindet, und gerade zur Landung ansetzt.

Der Autor Daniel Holbe versteht es gleich zu Beginn bei einer seiner Protagonisten eine Spannung aufzubauen. Ein stylistisches Mittel, das der Autor gekonnt immer wieder anwendet: Mit sehr dicht gepackter Sprache schildert er die Personen, erweckt sie zum Leben, lässt sie aufeinander los und miteinander agieren. Der Leser wird dadurch mit einbezogen und die Figuren verlieren an Distanz – sie werden plastisch und wirklich.

Die Handlung hingegen nimmt erst langsam an Fahrt auf – für meinen Geschmack etwas sehr zu langsam. Eindeutiger Schwerpunkt am Anfang sind die beiden Hauptpersonen Sabine Kaufmann und Ralph Angersbach. Die private Situation steht im Vordergrund und das hat mit der eigentlichen Kriminalhandlung – es geht um einen Doppelmord, der sich erst spät als ein solcher erweist – so reineweg überhaupt nichts zu tun. Die Protagonisten werden, so scheint es, für ein Folgebuch aufgebaut.

Gelungen hingegen ist dem Autor der Einstieg in die Kriminalhandlung: Der Leser erlebt die letzten Minuten des ersten Toten mit, der unerwartet und schnell stirbt.

Zwischendurch wird der Leser immer wieder durch eine detailverliebte Schilderung der Region, in der die Handlung spielt (Bad Vilbel, Gießen und Wetterau in der hessischen „Provinz“) abgeholt und zu einem Rundblick in die Umgebung mitgenommen. Damit bekommt die Umgebung eine angenehme und faszinierende Plastizität.

Der Kriminalfall selbst nimmt hingegen erst sehr langsam an Fahrt auf. Die beteiligten Personen werden eingebettet in ein sehr dichtes Beziehungsgeflecht. Die Emotionen schaukeln sich hoch und entwickeln ein dichtes, intensives Eigenleben, das die Handlung trägt, die beiden Kommissare in Atem hält. Stylistische Breaks und ironische Einschübe (Vergleich eines Toten mit einer am Haken hängenden Sau) bilden zusammen mit den Hauptpersonen ein dichtes Beziehungsgeflecht, das sich erst am Ende auflöst.

Das Buch, so scheint es, legt durch die Handlungsstränge den Grundstein für nachfolgende Romane. Die ausgiebig zelebrierte Schilderung des privaten Umfeldes der Protagonisten und das Ende des Buches bereiten die Nachfolgebücher vor.

Eines sei dem geneigten Leser noch mit auf den Weg gegeben: Das ist kein Action-Krimi – vielmehr ein spannend geschriebener Regionalkrimi.

Kaufempfehlung

Weiterführende Infos

ankas-geblubber.blogspot.de: Ein Blick in Daniel Holbes Buchregal
http://ankas-geblubber.blogspot.de/2014/04/ankas-blubber-tour-durch-prominente.html >>
 
krimizeitschrift.de: Die Fälle in denen Kaufmann und Angersbach ermitteln sind wirklich spannend
http://krimizeitschrift.de/daniel-holbe-giftspur/ >>
 
fraukatz-testet.blogspot.de: Der Kriminalroman ist für den Leser sehr interessant geschrieben
http://fraukatz-testet.blogspot.de/2014/03/rezension-giftspur-von-daniel-holbe.html >>
 
Autor: cm | krimi-tick.de

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Eine Antwort auf Ein Regionalkrimi aus dem Wetterau-Kreis: „Giftspur“ von Daniel Holbe

  1. Mich konnte dieser Krimi leider nicht überzeugen. Als zum Schluss endlich die Auflösung kam, war ich schon kaum noch daran interessiert. Für mich muss nicht unbedingt Action zu einem Krimi gehören. Ich habe gerade auch einige Krimis gelobt, die ohne Action und Blutvergießen auskommen.

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