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Autoren im Fokus: Das Interview mit Tom Burger, dem Autor des Krimis „Grün. Le vert de la Provence“

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Krimi-Vergnügen und Lust auf Provence. Der furiose Start des Provence-Krimis nach seiner Publikation war uns ein willkommener Anlass ein Interview mit dem Autor Tom Burger – einem Fan des Vaters aller Provence-Krimis Pierre Magnan – zu führen. Wir wollten genau wissen wie das mit dem Buch begonnen hat und warum er gerade Krimis schreibt.

Über das Buch „Grün. Le vert de la Provence“buchcover_gruen-le-vert-de-la-provence_tom-burger

An einem heißen Augusttag findet Valerie Baumann ihren Mann Edgar tot im Pool der provenzalischen Urlaubsvilla. Durch dieses Ereignis bleibt die Identität einer mysteriösen Händlerin von Heilkräutern ungeklärt, die Edgar Baumann – von seiner Frau unbemerkt beobachtet – kurz zuvor auf einem Wochenmarkt innig umarmt hatte.
Valerie bittet den Kriminalschriftsteller und Kochbuchautor Anselm Bernhard, diese Frau, die so gar nicht in das Beuteschema ihres notorisch untreuen Gatten passt, für sie zu finden.
Kurz darauf wird ein erstes Mordopfer in der beginnenden Reihe entdeckt und schnell kollidieren Anselm Benrhards Recherchen mit den Ermittlungen der Police nationale. Während der Autor auf regionalen Wochemärkten eine Spur der Kräuterexpertin sucht, verfolgt Komissar Luc Vidal auch ganz andere Fährten.
Beide müssen erkennen, dass Baumanns Tod nur der Beginn eines mörderischen Reigens markiert, bei dem Motive und Akteure sehr lange im Verborgenen bleiben.
Sieben Tage lang reiht sich in der atemberaubenden Karstlandschaft der haute Provence ein Verbrechen an das andere. Dabei gerät Anselm Bernhard selber unter Verdacht.

Das Interview mit Tom Burger

autor_tom_burger_gruen-le-vert-de-la-provencekrimi-tick.de: „Wie und wann entstand Deine Idee zu Deinem Buch „Grün. Le vert de la Provence“?“

Tom Burger: „Im Frühjahr 2009 erschienen Presseberichte über ein pflanzliches Potenzmittel aus dem Erd-Burzeldorn (Tribulus terrestris), das an der Berliner Charité entwickelt worden sei. Ein Riesenhype und die Erwartung, dass ein pflanzliches Mittel dieses Pharmasegment mit seinen Milliardenumsätzen durcheinanderwirbeln würde. Die Charité ging zu der Meldung und zu ihrem Verfasser allerdings schnell auf Distanz, das Mittel gab es dann auch nicht – aber meine Neugier war geweckt.
Bei der weiteren Recherche traten pharmakologisch nutzbare pflanzliche Wirkstoffe, vor allem aber Themen wie genetische Ressourcen, Genomsequenzierung und Biopatente in den Vordergrund. Mit den ethnobotanischen Gärten von Salagon und der herben Schönheit der einsamen Haute Provence habe ich dann einen idealen Schauplatz für den Plot gefunden. So entwickelte sich auch der zweite Themenstrang des Krimis, die Befreiung der Provence 1944. Dieses Thema ist mir persönlich sehr wichtig. Letztlich ist aber die Landschaft der Haute Provence zum eigentlichen Hauptdarsteller und neben dem Kommissar Luc Vidal auch zum Liebling der Leser geworden.“

krimi-tick.de: „Warum schreibst Du ausgerechnet Krimis?“

Tom Burger: „Der Vater aller Provence-Krimis, Pierre Magnan, sagte einmal: „Verbrechen sind für mich nur ein Vorwand, um eine Stimmung einzufangen, eine Abenddämmerung, ein Morgengrauen über der kargen, einsamen, tragischen Landschaft“. Das passt! Besser kann ich meine Intention nicht beschreiben. Ich fabuliere gern und möchte meine Leser auf eine unterhaltsame Reise mitnehmen, ihnen eine spannende Geschichte und – wie krimi-tick.de es ausgedrückt hat – ein sinnliches Erleben bieten. Nichts ist dazu besser geeignet, als ein Krimi.“

krimi-tick.de: „Wie ist Deine Vorgehensweise, bevor überhaupt das erste geschriebene Wort des gerade neu begonnenen Manuskriptes sichtbar ist?“

Tom Burger: „Es gibt keine strategische Planung für einen Plot. Ich muss über etwas stolpern, das in mir die Frage auslöst „Nanu, was ist das?“.
Es ist immer die Neugier, die mich langsam an ein Thema heranführt. Meist verblasst dieses Interesse nach einer gewissen Zeit und einem Erkenntniszugewinn. Manchmal bleibt das Interesse aber bestehen und wenn sich dann daraus eine Idee für eine kurze Szene, für ein fiktives Gespräch, für eine interessante Figur ergibt, ist der Anfang gemacht. Ich schreibe diese Ideen auf und beginne irgendwann mit der Recherche, ob das Thema tragfähig ist, ob daraus tatsächlich eine Geschichte werden kann, die 300 eng beschriebene Buchseiten füllt, ohne zu langweilen.“

krimi-tick.de: „Wie sieht Dein gewöhnlicher Tagesablauf beim Schreiben aus?“

Tom Burger: „Den gibt es nicht. Oft habe ich keine Zeit und schreibe monatelang keinen Satz an einem Roman. Dann setze ich mich irgendwann an das Manuskript und schreibe 40, 50 Seiten in einem Stück. Ich bin Vielschreiber und arbeite sehr diszipliniert. Meist 10 bis 12 Stunden am Tag. Wenn ich später das Geschriebene redigiere, fliegt meist ein gutes Drittel wieder raus. Manchmal tauchen durch Recherchen auch neue Aspekte auf und ich muss weiträumig wieder umschreiben, was mich definitiv nervt. Ich bin ein extrem ungeduldiger Schreiber, ich will die Story und keinen Stau.“

krimi-tick.de: „Welche/n Schriftsteller/in würdest Du gerne einmal treffen und was würdest Du ihn/sie fragen?“

Tom Burger: „Patricia Highsmith. Ich würde mit ihr gern über Tom Ripley sprechen, wie er in ihrem Kopf entstanden ist, was sie bei der Modellierung beeinflusst hat, welche Beziehung sie als Autorin im Laufe der fast vierzig Jahre und fünf Romane zu dieser Figur entwickelt hat. Ripley hat in diesen Bänden ja eine erstaunliche Entwicklung vollzogen, er ist ein Müßiggänger und Ästhet geworden, der zwar weiterhin ohne jede Moral, nur mehr beiläufig mordet, bis seine Erfinderin ihn am Ende sogar Schwäche zeigen lässt.“

krimi-tick.de: „Was liest Du gerade?“

Tom Burger: „Thomas Wolfe, Die Party bei den Jacks. Ich habe immer meine Probleme mit den extremen Detailbeobachtungen des Alltags bei amerikanischen Autoren. Ich bin bei Jonathan Franzen gescheitert, und auch Wolfe kostet mich Kraft. Aber man kann als Autor ungeheuer viel von ihm lernen. Jedes noch so nebensächliche Detail in seiner Beschreibung weckt sofort ganz konkrete Bilder, Stimmungen, ja sogar sensorische Empfindungen, man riecht, schmeckt, fühlt mit den Protagonisten des Romans. Da ist jedes Wort absolut passend gewählt, eine präzise Vorgabe für das Kopf-Kino.“

krimi-tick.de: „Gibt es etwas was Dir schwer fällt zu schreiben, oder etwas was Du gar nicht schreiben würdest?“

Tom Burger: „Ich schreibe immer nur das, was ich selber gerne lesen möchte. Themen, die mich langweilen, bei denen ich nicht selber verfolgen möchte, wie sie sich weiterentwickeln, zu welchem Ende sie kommen, würde ich nie in Angriff nehmen. Das Genre ist dabei völlig egal. Ich werde aber zum Beispiel nie einen Krimi schreiben, der ausschließlich auf Gewalt oder Ekel fokussiert, bei dem Horror und spritzendes Blut die tragenden Elemente sind.“

Kaufempfehlung

Weiterführende Infos

tom-burger.de: Der Blog des Autors
http://www.tom-burger.de/ >>provenceblog.net: Provence Blog by Tom Burger
http://provenceblog.net/>>facebook.com: Facebook-Seite des Autors
http://www.facebook.com/tomburger.autor >>
 
Zusätzliche Infos des Autors
Tom Burger, 15. Oktober 2013 für www.krimi-tick.de
Jede Veränderung oder Ergänzung sowie eine anderweitige Verwendung als die, auf www.krimi-tick.de, bedürfen der schriftlichen Zustimmung durch den Autor. Sollte die Website krimi-tick.de oder ihr Herausgeber rechts- oder sittenwidrige, verunglimpfende, herabwürdigende, beleidigende oder bedrohende Elemente oder Texte darstellen bzw. veröffentlichen, erlischt mit sofortiger Wirkung die Genehmigung zur Veröffentlichung dieses Interviews und des Autorenfotos von Tom Burger.
tom.burger@cleevesmedia.deAutor: cm | krimi-tick.de

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