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Ein Berliner Mauerkrimi: Am Tag, als Walther Ulbricht starb

Sep 13, 13 • KrimiNo CommentsRead More »
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Dem Krimiautoren-Gespann Horst Bosetzky (alias -ky) und Jan Eik ist vor dem Hintergrund politischer Vorgänge der frühen 70er Jahre eine Gratwanderung geglückt: ein spannendes und zugleich realistisches Szenarium im geteilten Deutschland.

Das junge Ost-Berliner Pärchen Carola Weigang und Hartmut Battin fühlt sich in der DDR wie in einem Käfig. Der unehrgeizige und langhaarige Ingenieur Hartmut entpuppt sich als ein überaus kritischer

Tina Pilat | krimi-tick.de

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Bewohner des ersten Arbeiter- und Bauernstaates auf deutschem Boden – und macht auch keinen Hehl daraus.

Die 24 jährige, und damit 7 Jahre jüngere Carola wusste schon früh was sie wollte. Getrieben vom eigenen Ehrgeiz und dem Stolz ihrer patriotischen Eltern hatte sie sich vom SC Dynamo in jüngeren Jahren zu einer Freistilschwimmerin ausbilden lassen. Allerdings war den Kaderakten dabei ein kleiner Makel entgangen: Carolas Westkontakte und der West-Cousin Rainer Erkenbrecher.

Hartmut wollte seine Unabhängigkeit nicht ganz aufgeben und sie hoffte immer noch, ihn vor einer eventuellen Ehe seine Machoallüren und ein paar andere Kleinigkeiten wenigstens zum Teil abzugewöhnen.

Beide stoßen zwischen Arbeit, Versammlungen und Agitationseinsätzen immer wieder recht deutlich an die Grenzen ihres Käfigs, bis als letzter Ausweg nur die Flucht mit dem Faltboot über die Ostsee bleibt. Über ein Jahr lang planen und trainieren sie für das alles entscheidende Ereignis.

Unterstützt von ihrem West-Berliner Cousin Rainer Erkenbrecher, dem am Ende des Buches ein besonders tragisches Schicksal ereilt (Nein, er stirbt nicht!), soll er den Beiden aus Dänemark mit einer Motoryacht entgegenkommen. Doch die Stasi schöpft Verdacht und setzt ihre Spitzel auf das junge Paar an, für das ein Wettlauf um Leben und Tod beginnt.

Ein sehr lesenswertes und zugleich spannendes Buch „Am Tag, als Walther Ulbricht starb“

Zu einem authentisch geschilderten Krimi mit eindringlich ausgewählten Szenen versteht es das Autorenpaar den Leser im Allgemeinen, und mich im ganz Speziellen, mental abzuholen und auf eine spannende Reise mitzunehmen. Wer bereit ist für eine viel zu kurze Weile die mentale Grenze zwischen Buch und Leser zu vergessen, der findet sich wieder zwischen Fluchtvorbereitungen, Intrigen und – so kitschig es klingen mag – der Liebe zweier Menschen, die zum Äußersten entschlossen sind.

Mit Berliner Sprachwitz, realistischer Schilderung, Zeitwissen und großer Lokalkenntnis ist ein großartiges Buch entstanden, dessen Handlung in dieser Form, zu dieser Zeit nur in Berlin passiert sein kann.

Das dies kein Einzelfall, oder Sonderschicksal ist, belegt schon das Intro des Buches: Während der 28 Jahre zwischen dem Bau der Mauer am 13. August 1961 und ihrem Fall am 9. November 1989 wagten etwa 5600 Menschen eine Flucht über die Ostsee. (…) Lediglich 913 Flüchtlinge erreichten ihr Ziel in Schleswig-Holstein, Dänemark oder Schweden, also nur etwa jeder 6. Ostseeflüchtling. Mindestens 174 Menschen kamen zwischen Mauerbau und Mauerfall auf ihrer Flucht über die Ostsee ums Leben. (Aus: Christine Vogt-Müller, Der Unerträglichkeit des „DDR-Seins“ davon paddeln, in: Binsenbummeln und Meeresrauschen, 4. Internationales Jahrbuch des Faltbootsports 2007/08, Hrsg. von Herbert Kropp, Faltenreich Verlag, Oldenburg 2007, S. 42 f.)

Klare Kaufempfehlung im Paket

 

Autor: fb | krimi-tick.de

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